Skip to main content
/ 17.06.2013
Jacques Pauwels

Der Mythos vom guten Krieg. Die USA und der Zweite Weltkrieg

Köln: PapyRossa Verlag 2001; 302 S.; brosch., 16,50 €; ISBN 3-89438-220
Pauwels "konsequente Interpretation der Rolle der Vereinigten Staaten im Zweiten Weltkrieg" (8) bietet genau genommen nicht viel Neues: Vor Kriegseintritt 1941 durchliefen die USA die schwerste Wirtschaftskrise ihrer Geschichte, die trotz aller Bemühungen erst mit Eintritt in die Kriegswirtschaft vollständig überwunden werden konnte. 1945 gingen die USA aus dem Krieg nicht nur als militärischer Sieger, sondern auch als politische und wirtschaftliche Supermacht hervor. Es schloss sich nahezu nahtlos der Kalte Krieg zwischen zwei antagonistischen Systemen an, den ebenfalls die USA - und letztendlich die gesamte demokratische Welt - für sich entscheiden konnte. Es ist also nicht so sehr interessant, welche Fakten Pauwels heranzieht, sondern wie er sie bewertet. Die Idee, auf der diese Interpretation beruht, besagt, "dass es in der Entwicklung der kapitalistischen Wirtschaft in den Vereinigten Staaten begründet ist, wenn die sozialen, wirtschaftlichen und damit auch politische US-Eliten konsequent - mit Hilfe von Demokraten oder Diktatoren, mit friedlichen Mitteln oder mit Gewalt - ihre Klasseninteressen im eigenen Land und überall auf der Welt verfolgen, und zwar ohne viel Respekt vor den Werten von Demokratie, Freiheit und Recht, als deren großer Vorkämpfer die USA in der Theorie allerdings gelten" (13). Dem folgt das Bekenntnis, dass die Studie unvermeidlich parteilich sein wird. Allerdings scheint dies auch einen konsequenten Verzicht auf Wissenschaftlichkeit zur Folge zu haben: Zitate bleiben ebenso unbelegt wie angeführte Beispiele oder Zahlen. Die Literaturhinweise am Ende jeden Kapitels sind vage und lassen sich oft nur schwer auf konkrete Textstellen beziehen. Der Mangel an Belegen trägt noch einmal maßgeblich zum ohnehin schon in Stil und Wortwahl angelegten tendenziösen Charakter der Ausführungen bei. Die Argumente sind oftmals einseitig und verkürzt, oder laufen auf Polemik hinaus. Das führt dann zu Aussagen wie folgender: "[...] des angeblich idealistischen und demokratischen Präsidenten Woodrow Wilson, der in Wirklichkeit ein anti-demokratischer Rassist war [...]" (40). Wie Pauwels zu dieser Einsicht gelangte, bleibt allerdings schleierhaft.
Stefan Göhlert (SG)
M. A., Politikwissenschaftler, Protokollchef und Bürgerbeauftragter in der Verwaltung der Stadt Jena.
Rubrizierung: 2.644.222.312 Empfohlene Zitierweise: Stefan Göhlert, Rezension zu: Jacques Pauwels: Der Mythos vom guten Krieg. Köln: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15040-der-mythos-vom-guten-krieg_17079, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 17079 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA