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/ 17.06.2013
Heribert Schwan / Helgard Heindrichs

Das Spinnennetz. Stasi-Agenten im Westen: Die geheimen Akten der Rosenholz-Dateien

München: Knaur Taschenbuch Verlag 2005; 320 S.; 12,95 €; ISBN 3-426-77732-0
Warum arbeiteten einzelne Westdeutsche trotz persönlicher Risiken als Agenten des Ministeriums für Staatssicherheit? Die Psychologin Heindrichs und der Historiker Schwan suchen die Antwort auf diese Frage beispielhaft in den Biografien von vier Beamten des Auswärtigen Amtes, die jahrzehntelang im Auftrag des MfS spionierten. Als Quellen dienen dabei nicht nur persönliche Stellungnahmen und Gerichtsakten, sondern auch die Angaben aus der „Rosenholz-Datei“, einer Arbeitskopie, in der das MfS die Tätigkeiten seiner Agenten gespeichert hatte. Diese war 1989 in die Hände der CIA gelangt und 2003 der Birthler-Behörde übergeben worden. Die porträtierten Agenten ließen sich als junge Menschen vom MfS anheuern, weil sie glaubten, die DDR habe das bessere System. Eine tiefere Durchdringung dieser ideologisierten Haltung sucht man bei diesen ansonsten beruflich hoch qualifizierten Spionen auch im Rückblick vergeblich. Die zunehmenden Probleme in der DDR und der Niedergang des Sozialismus schienen selbst 1989 in ihrem Denken keine tieferen Spuren hinterlassen zu haben; keiner kündigte die Zusammenarbeit auf, teilweise meinte man, mit den Betreuern aus der DDR persönlich befreundet zu sein. Genau dieser Eindruck gehörte aber zur Betreuung–. Die Autoren beschreiben auch die Arbeitsweise und Struktur der DDR-Auslandsspionage. Erklärt wird, wie das MfS einen möglichen Agenten ausspähte, verdeckt Kontakt aufnahm und später, nachdem ein persönliches Vertrauensverhältnis erwachsen war, expressis verbis anwarb, bezahlte und in den Techniken der Agententätigkeit schulte. Diese Beschreibung und die auf verschlungenen Wegen zustande gekommenen Treffen zwischen Agent und Betreuer könnten gut und gerne als Material für einen Spionagekrimi dienen. Die vier Agenten wurden nach ihrer Enttarnung wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit in Tateinheit mit Bestechlichkeit verurteilt.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Heribert Schwan / Helgard Heindrichs: Das Spinnennetz. München: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14665-das-spinnennetz_24635, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 24635 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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