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/ 22.06.2013
Carola Hausotter

Das Recht indigener Völker Lateinamerikas auf interne Selbstbestimmung. Eine rechtsvergleichende Studie der rechtlichen Ausgestaltung von indigenen Selbstbestimmungsrechten im Völkerrecht und in den Ländern Nicaragua, Ekuador, Mexiko, Guatemala und Bolivien

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2010 (Verfassung und Recht in Übersee. Beiheft 23); 246 S.; brosch., 54,- €; ISBN 978-3-8329-4796-5
Rechtswiss. Diss. Gießen; Gutachter: B.-O. Bryde, Th. Groß. – Diese Studie ist auch für Politikwissenschaftler eine ergiebige Lektüre, da grundlegende Informationen über die Entwicklung der (rechtlichen) Wahrnehmung von indigenen Völkern geboten werden sowie über die konkrete Ausformung ihres Selbstbestimmungsrechts in ausgewählten lateinamerikanischen Ländern. Hausotter greift damit einen politischen Prozess auf, der erst in der jüngeren Vergangenheit an Bedeutung gewonnen hat und noch keinesfalls abgeschlossen ist. Im ersten Teil der Arbeit zeichnet sie den langen Weg nach, der mit der ersten Verankerung nur einer Zielvorstellung vom Selbstbestimmungsrecht der Völker in der UN-Charta beginnt. Anfangs wird dieses Recht mit Blick auf die Kolonialvölker gedacht und damit eine Ausnahme vom völkerrechtlichen Grundsatz der territorialen Integrität zugelassen. Dieser Grundsatz allerdings, formuliert mit der Absicht, den Frieden zu wahren, stellt in der weiteren Entwicklung ein gewichtiges Problem dar – ist er mit dem Selbstbestimmungsrecht eines indigenen Volkes vereinbar? Dass es überhaupt zur Formulierung dieses Rechts kommt, ist verschiedenen Akteuren keineswegs nur im Rahmen der UN zu verdanken. Als Meilensteine der Rechtsentwicklung nennt Hausotter u. a. die Friendly-Relations-Deklaration von 1970, mit der das Recht auf Selbstbestimmung als Prinzip des Völkerrechts festgeschrieben wurde, die afrikanische Menschenrechtscharta, die ILO-Konvention Nr. 169 sowie die Interamerikanische Menschenrechtskonvention. Gerade mit ihr vollzog sich ein grundlegender Wandel: Bis in die späten 70er-Jahre hinein, so die Autorin, war diese Institution Verfechterin der Assimilierungspolitik, begann dann aber, die Klagemöglichkeiten indigener Völker positiv zu beeinflussen – die in Lateinamerika knapp 40 Millionen Menschen umfassen. Zentrale Konflikte sind die Missachtung von Menschen- und Landrechten sowie die Chancenungleichheit in Bildung und Wirtschaft. Mit der zunehmenden Anerkennung eines internen Selbstbestimmungsrechts (ohne das Recht auf Sezession) gehe ein grundlegender Wandel des Staatsverständnisses einher, so das aufschlussreiche Fazit der Autorin.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.654.14.42 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Carola Hausotter: Das Recht indigener Völker Lateinamerikas auf interne Selbstbestimmung. Baden-Baden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32305-das-recht-indigener-voelker-lateinamerikas-auf-interne-selbstbestimmung_38551, veröffentlicht am 23.06.2010. Buch-Nr.: 38551 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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