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/ 21.06.2013
Silke Beck

Das Klimaexperiment und der IPCC. Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Politik in den internationalen Beziehungen

Marburg: Metropolis-Verlag 2009 (Ökologie und Wirtschaftsforschung 84); 227 S.; 22,80 €; ISBN 978-3-89518-771-1
Überarb. Soziolog. Diss. Bielefeld; Gutachter: P. Weingart, W. Krohn. – Der 1988 gegründete Intergovernmental Panel on Climate Chance (IPCC) hat mit seinen Sachstandsberichten zum Zustand, den Ursachen und möglichen Auswirkungen des Treibhauseffekts regelmäßig öffentliche und politische Aufmerksamkeit erfahren. 2007 wurde der von den Medien auch als Weltklimarat bezeichneten Beratungsinstanz der Friedensnobelpreis verliehen. Die Autorin fragt, wie der Erfolg des IPCC aus sozialwissenschaftlicher Perspektive zu beurteilen ist und ob es als ein geeignetes Modell für Politikberatung auf der internationalen Ebene angesehen werden kann. Hierfür rekonstruiert sie die wissenschaftliche Kontroverse um den Klimawandel seit den 50er-Jahren und die Entwicklung des IPCC sowie dessen Arbeit im Lichte verschiedener zuvor dargestellter sozialwissenschaftlicher Modelle über das Verhältnis von Politik und Wissenschaft. So zeigt Beck u. a. einen Wandel im Umgang mit wissenschaftlichen Unsicherheiten auf und beschreibt, wie ab Mitte der 80er-Jahre „die Krise um den Klimawandel von der Wissenschaft an die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik verlagert“ (85) wurde. Der IPCC wurde zwar aufgrund wachsenden öffentlichen Problemdrucks gegründet, es dürfe aber nicht vernachlässigt werden, dass sein Mandat und institutionelles Design das „Produkt von konfliktreichen Verhandlungsprozessen zwischen Vertretern von Wissenschaft und internationaler und nationaler Politik sind“ (93). Seine Besonderheit liegt in dem intergouvernementalen, hybriden Charakter des IPCC, der in der offiziellen Selbstdarstellung jedoch meist unbeachtet bleibt. Der IPCC folge dem traditionellen linearen Modell der Politikberatung, wonach Wissenschaft der Politik vorgelagert sei, schreibt Beck. Daraus resultierten aber Probleme der politischen Glaubwürdigkeit und wissenschaftlichen Integrität: „Das Festhalten an dem technokratischen Modell führt dazu, dass alle beteiligten Wissenschaftler so handeln, als ob Politik tatsächlich in der Wissenschaft entschieden werde und maßgeblich davon abhänge, dass wissenschaftlicher Konsens besteht.“ (191 f.)
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.35.24.45 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Silke Beck: Das Klimaexperiment und der IPCC. Marburg: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31499-das-klimaexperiment-und-der-ipcc_37500, veröffentlicht am 28.09.2010. Buch-Nr.: 37500 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA