/ 19.06.2013
Georg Herbstritt / Helmut Müller-Enbergs (Hrsg.)
Das Gesicht dem Westen zu ... DDR-Spionage gegen die Bundesrepublik Deutschland
Bremen: Edition Temmen 2003 (Analysen und Dokumente); 457 S.; 2., korr. Aufl.; 22,90 €; ISBN 3-86108-388-4In den 90er-Jahren hat die Generalbundesanwaltschaft mehr als 3.000 Ermittlungsverfahren gegen Bundesbürger wegen der Tätigkeit für die Geheimdienste der DDR eingeleitet und mehr als 500 Fälle zur Anklage gebracht. Abgesehen vom Schlagzeilenwissen großer Boulevardblätter ist über die Art und Weise sowie das eigentliche Ausmaß der innerdeutschen Spionage und Gegenspionage aber nur sehr wenig bekannt. Im November 2001 wurde der wissenschaftliche Kenntnisstand zu dieser Problematik erstmals auf einer Tagung der Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen zum Thema „Stasi im Westen. Geheimdienste und Politik im deutsch-deutschen Verhältnis“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Band enthält 21 der damals gehaltenen Vorträge. Es kommen nicht nur Zeithistoriker, sondern auch unmittelbar Beteiligte zu Wort. Die Ausführungen konzentrieren sich schwerpunktmäßig auf drei Themenfelder: 1. die Vorstellung der gegenwärtigen Quellenlage; 2. die historische Entwicklung der DDR-Spionage anhand einzelner Fallbeispiele; 3. die Untersuchung einzelner Spionagekomplexe, wie z. B. die Militär- und Wirtschaftsspionage. Die Darstellungen geben einen gut lesbaren, umfassenden Einblick in wichtige Aspekte der Tätigkeit des Ministeriums für Staatssicherheit in der Bundesrepublik und in die dagegen getroffenen Abwehrmaßnahmen.
Aus dem Inhalt:
Manfred Görtemaker:
Deutschland im Ost-West-Konflikt (14-33)
Helmut Müller-Enbergs:
Was wissen wir über die DDR-Spionage? (34-71)
Dirk Dörrenberg:
Erkenntnisse des Verfassungsschutzes zur Westarbeit des MfS (72-111)
Stephan Konopatzky:
Möglichkeiten und Grenzen der SIRA-Datenbanken (112-132)
Rainer O. M. Engberding:
SIRA und „Rosenholz“ aus Sicht der polizeilichen Spionagebekämpfung (133-142)
Roger Engelmann:
Zur „Westarbeit“ der Staatssicherheit in den fünfziger Jahren (143-152)
Bernd Stöver:
Konterrevolution versus Befreiung (153-180)
Philipp-Christian Wachs:
Eine Kampagne als sinnstiftendes Gemeinschaftswerk des Ostblocks - Der Fall Theodor Oberländer (181-203)
Joachim Zöller:
DDR-Militärspionage (204-214)
Bodo Wegmann:
Die Aufklärung der Nationalen Volksarmee (215-223)
Thomas Auerbach:
Sabotage- und Terrorstrategien des MfS gegen die Bundesrepublik (224-238)
Heinz Busch:
Die NATO in der Sicht der Auswertung der HV A (239-249)
Kristie Macrakis:
Führt effektive Spionage zu Erfolgen in Wissenschaft und Technik? (250-278)
Reinhard Buthmann:
Die Organisationsstruktur zur Beschaffung westlicher Technologien im Bereich Mikroelektronik (279-314)
Jörg Roesler:
Unkonzentriert beim „Beschaffen“ und Bequemwerden beim „Abkumpfer“? Das DDR-Mikroelektronikprogramm und die begrenzten Möglichkeiten von Industriespionage und illegalem Technologietransfer (315-332)
Georg Herbstritt:
Die Westarbeit des MfS im Lichte bundesdeutscher Justizakten (333-359)
Joachim Lampe:
Die strafrechtliche Aufarbeitung der MfS-Westarbeit: Fortdauernde Lehren aus einem abgeschlossenen Kapital deutscher Justiz- und Zeitgeschichte (359-366)
Jochen Staadt:
Bundesdeutsche Entspannungspolitik in den Jahren der sozial-liberalen Koalition (367-374)
Hubertus Knabe:
Die MfS und die Partei der Grünen (375-392)
Ullrich Wössner:
Angriffe des MfS auf den Bundesnachrichtendienst (393-403)
Karl-Rudolf Korte:
Deutschlandpolitik in Helmut Kohls Kanzlerschaft: Der begrenzte Einfluss des Ministeriums für Staatssicherheit auf das Regierungshandeln (404-426)
Thomas Henzschel (TH)
Dr., Auswärtiges Amt, Arbeitsstab Iran.
Rubrizierung: 2.314 | 2.313
Empfohlene Zitierweise: Thomas Henzschel, Rezension zu: Georg Herbstritt / Helmut Müller-Enbergs (Hrsg.): Das Gesicht dem Westen zu ... Bremen: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20531-das-gesicht-dem-westen-zu-_23947, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 23947
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Dr., Auswärtiges Amt, Arbeitsstab Iran.
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