/ 21.06.2013
Manfred Bogisch
Das Ende der DDR und die LDPD. Selbstbefreiung, Illusionen, Vereinahmung
Berlin: Karl Dietz Verlag 2010; 175 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-320-02175-7Eine Innenansicht der rasanten Veränderung der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD) von einer der SED untergeordneten Blockpartei bis zur Aufnahme in die FPD bietet diese Darstellung von Bogisch, langjähriger Mitarbeiter des LDPD-Vorsitzenden Manfred Gerlach und seines Nachfolgers Rainer Ortleb. Schnell wird deutlich, dass sich diese Partei erst angesichts der Massenproteste im Oktober 1989 traute, so etwas wie den Ansatz einer eigenen Position zu veröffentlichen. Nun forderte man u. a. einen Dialog mit den Bürgern und Reisefreiheit. Das politische Sofortprogramm sei darauf angelegt gewesen, so Bogisch, „Bürgerrechtsgruppen sowohl ‚einzufangen’ und auf die Einhaltung der Verfassung festzulegen, als auch diesen Gruppen ‚das Wasser abzugraben’“ (13). Und da man in Rahmen des Systems zu bleiben gedachte, sei Gerlach im Herbst 1989 denn auch „zufrieden“ gewesen, dass der neue SED-Generalsekretär Krenz „die Blockparteien als Partner zu respektieren [schien]“ (68). Vielleicht sollte man es gerade als die Qualität dieses Buches betrachten, dass Bogisch im Duktus der Zeit bleibt. So entsteht ein unmittelbarer Eindruck, der nicht vergessen lässt, dass es in der untergehenden DDR politische Kräfte gab, die Sozialismus und Teilstaat keineswegs aufgeben wollten. Der „Abschied von den neosozialistischen Träumen“ (79) ereilte allerdings auch die LDPD schnell, bei der inhaltlichen Neuorientierung aber sei eine entscheidende Frage unbeantwortet geblieben, so Bogisch: An welche Wählerschichten sollten sich die Liberalen wenden? „An den Mittelstand, den es in der DDR kaum noch gab? An alle Bürger, die ‚von Haus aus’ liberal eingestellt waren? Sollte man sich als vornehmlich sozialliberale, wirtschaftsliberale oder nationalliberale Partei empfehlen?“ (106) Nach dem Wahldebakel im März 1990 gingen diese inhaltlichen Entscheidungen an die FPD über, der Bogisch – in der ostdeutschen Perspektive verbleibend – statt „parteifreundschaftlicher Kommunikation [...] ab Mitte Dezember [1989] Einflussnahme, Steuerungsversuche und Druck, der zuweilen erpresserische Züge annahm“ (89), vorhält. Die LDPD schloss sich im August 1990 der FPD an.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Manfred Bogisch: Das Ende der DDR und die LDPD. Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30658-das-ende-der-ddr-und-die-ldpd_36411, veröffentlicht am 30.11.2010.
Buch-Nr.: 36411
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