/ 11.06.2013
Harry Friebel / Heinrich Epskamp / Brigitte Knobloch / Stefanie Montag / Stephan Toth
Bildungsbeteiligung: Chancen und Risiken. Eine Längsschnittstudie über Bildungs- und Weiterbildungskarrieren in der "Moderne"
Opladen: Leske + Budrich 2000 (Schriftenreihe der Hochschule für Wirtschaft und Politik 4); 442 S.; kart., 38,35 €; ISBN 3-8100-2334-5Fünf Soziologen der Hamburger Hochschule für Wirtschaft und Politik legen den Bericht einer 18-jährigen Forschungsarbeit vor. Sie stellen Muster der Bildungsgeschichte der Babyboomgeneration dar. Es geht dabei um die Bildungsbiographie in der Schule, Berufsausbildung und Weiterbildung einer Hamburger Schulabschlusskohorte, die um 1960 geboren ist. Dieses Sample erscheint aus drei Gründen interessant: Es bezieht sich auf die geburtenstarken Jahrgänge, für die sich - politisch gewollt - die Bildungschancen öffneten, die aber zugleich zum ersten Mal das Auf und Ab der Arbeitsmarktchancen erlebte.
Die Autoren geben einen tiefgreifenden Einblick in die den Bildungsablauf bestimmenden Faktoren. Dabei können sie sich auf eine systematisch von 1979 bis 1997 durchgeführte Längsschnittstudie mit 9 Interviewrunden und 11 Fragebogenerhebungen stützen. Sie dokumentieren angemessen und nachvollziehbar ihr Vorgehen und stellen für ihr Sample von 133 Personen umfassende Befunde vor. Ein solch aufwendiges Forschungsdesign wäre häufiger wünschenswert.
In der Studie spürt man allerdings den Willen der Autoren zu belegen, wie Bildung soziale Ungleichheit und Geschlechterhierarchie bestätigt. Eine Formulierung im Überblicksabschnitt, wie z. B. "die heute noch typische Einbahnstraßenselektion der 10jährigen Kinder in der Sekundarstufe I" (96) lässt Zweifel aufkommen, ob immer ohne vorgefasste Meinungen geforscht wurde. Im Übrigen gibt es in der Pädagogik inzwischen eine umfassende Diskussion zu dieser Frage, die eine treffende Auswahl belegen kann. Entsprechend finden sich auch eher sorgfältige Ausführungen zu den bekannten sozialkritischen Urteilen über das (west)deutsche Bildungswesen, als neue Einsichten. Die ausführliche Untersuchung der Weiterbildung zeigt eine gewisse Perpetuierung einmal eingeschlagener Lebenswege und beleuchtet damit Aspekte, die bislang zu wenig beachtet wurden.
Aus dem Inhalt: A. Bildungsbeteiligung in der "Bildungsgesellschaft" - Beiträge zur Bildungstheorie und -praxis: 1. Chancengleichheit durch Bildung?; 2. Modernisierung: Individualisierung und Institutionalisierung von Bildungsbiographien; 3. Bildungsbiographische Gestaltung: Drei Determinanten und ein Joker?; 4. Vom Lebensberuf zum lebenslangen Lernen. B. Ein empirisches Forschungsprojekt: Bildungsbiographien in Prozessen der Modernisierung - mehrebenenanalytische inter- und intragenerationelle Längsschnittstudie: 1. Fragestellung; 2. Stichprobe; 3. Erhebungszusammenhang und Methode; 4. Familiäre Herkunft, Geschlecht und Schulbildung; 5. Berufliche Qualifikation und Erwerbstätigkeit; 6. Von der Herkunfts- zur Gründungsfamilie: Partnerschafts- und Familialisierungskarrieren; 7. Weiterbildung: Lebenslanges Lernen im Lebenszusammenhang; 8. Person, Bildungsbeteiligung, Sozialstruktur; 9. Beteiligung und Partizipation. C. Schlussfolgerungen: 1. Bildung als Emanzipationsprozeß; 2. Es gibt keine Alternative zur Bildungsreform; 3. Theorien und Methoden: Alle Möglichkeiten auf den Tisch; 4. 18jährige Forschungsarbeit: Ein Projekt wird volljährig.
Sascha Spoun (SPS)
Dr.
Rubrizierung: 2.343
Empfohlene Zitierweise: Sascha Spoun, Rezension zu: Harry Friebel / Heinrich Epskamp / Brigitte Knobloch / Stefanie Montag / Stephan Toth: Bildungsbeteiligung: Chancen und Risiken. Opladen: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9321-bildungsbeteiligung-chancen-und-risiken_13786, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 13786
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