/ 17.06.2013
Karl Seidel
Berlin-Bonner Balance. 20 Jahre deutsch-deutsche Beziehungen. Erinnerungen und Erkenntnisse eines Beteiligten
Berlin: edition ost 2002; 440 S.; brosch., 16,90 €; ISBN 3-360-01034-5Schon der Buchtitel zeigt die Fehleinschätzung des Autors, dass Bonner und Ostberliner Beamte und Politiker auf gleicher Augenhöhe miteinander verhandelt hätten. Seidel, der 20 Jahre lang die Abteilung BRD im DDR-Außenministerium geleitet hat, unterliegt dieser Selbsttäuschung allerdings nur in einem begrenzten Maße. Ihm waren die engen Grenzen, die die Sowjetunion der Deutschlandpolitik der DDR zog, bewusst. Das Buch bezeugt in erster Linie das Selbstverständnis eines hohen DDR-Beamten. Seidel beschreibt anschaulich, wer seinem Eindruck nach in der DDR das Sagen hatte, nämlich allein Honecker (womit der Autor jede eigene Verantwortung weit von sich weist), aber auch, wie konzeptionslos die DDR gegenüber der Bundesrepublik agiert habe. Ähnlich wie Schalk-Golodkowski in seiner Autobiografie konstatiert Seidel recht nüchtern die "schlichte Unfähigkeit und Ratlosigkeit" (381) der DDR-Führung, die - von Gorbatschow aufgegeben - den Ereignissen im Herbst 1989 nichts entgegenzusetzen hatte. Trotz dieser Einblicke ist dieses Buch als Geschichtsbuch über die deutsch-deutschen Beziehungen untauglich, zu subjektiv und voreingenommen sind die Einschätzungen des Autors. Dennoch möchte er "keineswegs für einen unverbesserlichen Betonkopf gehalten werden" (435).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314 | 2.313
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Karl Seidel: Berlin-Bonner Balance. Berlin: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16803-berlin-bonner-balance_19303, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19303
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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