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/ 21.06.2013
Fritz Keller

Wien, Mai 68. Eine heiße Viertelstunde

Wien: Mandelbaum Verlag 2008; 252 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-85476-255-3
Im Mai 1968 habe in Wien unter den Linken Aufbruchstimmung geherrscht, schreibt Keller, der als Mitglied des Verbands Sozialistischer Mittelschüler selbst zu den treibenden Kräften der 68er-Bewegung in Österreich gehörte. Das Thema Vietnam habe „die Reformkommunisten, die austromarxistischen Linken, die Pazifisten, die kritischen Christen, die Künstler, Anarchisten, Querköpfe jeder Art und die Jugendlichen, die einfach gegen die Erwachsenen sein wollten“ (82), zusammengebracht. Zudem hätten sich Probleme, deren Lösung von den herrschenden Kräften lange zurückgestellt worden war, nicht länger aufschieben lassen. Vor allem unter der studentischen Jugend sei eine breite Protestbewegung entstanden. Der Autor schildert, was an der Wiener Universität geschah – allerdings aus einer skeptischen Distanz gegenüber den damals Studierenden. Viele Aktivisten aus der Studentenbewegung seien nach 1968 bei ihrem Marsch durch die Institutionen die „Stufenleitern der Hierarchien“ hochgeklettert, hätten dabei auf dem Weg nach oben „viel verloren, manchmal sogar ihre alten Ziele vergessen“ (217). Die Neue Linke in Österreich könne dennoch für sich in Anspruch nehmen, bei einer Reihe von gesellschaftlichen Entwicklungen, die in den Jahren vor 1968 bereits angelegt waren, als Verstärker gewirkt zu haben. Ihr Einfluss sei vor allem bei der Reform der Schulen, Hochschulen, des Bundesheers und der Justiz sowie auf dem Gebiet der Heimerziehung zu spüren gewesen. Gegen ihren Willen habe die Neue Linke bei der Umgestaltung der österreichischen Gesellschaftsordnung im Sinne der technologischen Rationalität geholfen: „Sie half im Fetisch Wachstum eine neue Basis für die Sozialpartnerschaft [zu ] finden und die wirtschaftliche Sonderstellung Österreichs einzuschränken“ (218). Obwohl die Neue Linke insgesamt schwach geblieben sei, habe sie „das Feld für andere bereitet: Frauenbewegung, Grüne, Alternative, neue Jugendbewegung“ (221). Das Buch ist 1983 erstmals erschienen und wurde anlässlich des 40. Jahrestages der 68er-Bewegung in dritter Auflage publiziert.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.42.22 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Fritz Keller: Wien, Mai 68. Wien: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28909-wien-mai-68_34126, veröffentlicht am 16.06.2009. Buch-Nr.: 34126 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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