/ 20.06.2013
Michio Morishima
Was kann Japan tun? Vorschläge für eine Ostasiatische Gemeinschaft. Aus dem Japanischen übersetzt von Birgit Quitterer
München: iudicium 2005; 192 S.; kart., 15,- €; ISBN 3-89129-890-0Das Buch beruht auf einer Serie von vier Vorlesungen, die der 2004 verstorbene Wirtschaftswissenschaftler 1997 an der Nakai-Universität im chinesischen Tianjin hielt. Der Ort ist deshalb bemerkenswert, weil Morishima dort etwas vorschlug, was bei manchen böse Erinnerungen geweckt haben mag: eine Ostasiatische Gemeinschaft. Schon in den dreißiger und vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte das japanische Kaiserreich eine sogenannte „Großasiatische Wohlfahrtssphäre“ angestrebt. Unter der japanischen Knute sollte Asien für das Kaiserreich arbeiten. Der Autor verfolgt jedoch sehr viel friedlichere Ziele. Er orientiert sich am Vorbild der EU, wenn er mit einer Ostasiatischen Wirtschaftsgemeinschaft eine Integration der wichtigsten ostasiatischen Länder (China, Nord- und Südkorea, Japan und Taiwan) vorschlägt. Um den Weg dorthin zu erläutern, befasst sich Morishima in der ersten Vorlesungen zunächst mit der Geschichte der feindlichen Beziehungen Japans zu seinen Nachbarn. Dabei benennt er Japans Kriegsschuld mit deutlichen Worten. In der zweiten Vorlesung behandelt Morishima den Neuaufbau des japanischen Staates. Er fordert unter anderem ein gesundes Mischungsverhältnis von Nationalgefühl und Universalismus. Dieses sei in den dreißiger und vierziger Jahren nicht vorhanden gewesen, aber auch heute nicht. Unabhängig davon hält er es jedoch für völlig natürlich, dass ein Volk mehrere Identitäten hat, so wie Engländer sich eben auch als Briten empfinden. Auf dieser Basis scheint ihm ein „asiatisches Volk“ denkbar. Wie auf diese Weise eine Ostasiatische Gemeinschaft entstehen kann und was diese bewirken könnte, ist Gegenstand der dritten und vierten Vorlesung. Morishima geht dabei auch auf die Schwierigkeiten beim Aufbau einer solchen Gemeinschaft ein, aber die Chancen überwiegen für ihn. Man wünscht seinen Visionen beim Lesen viel Erfolg, denn eine engere Zusammenarbeit der erwähnten Länder wäre für alle ein Friedensprojekt vergleichbar mit der europäischen Integration. Angesichts der Heterogonität der politischen Systeme ist jedoch Skepsis angebracht.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.5 | 4.22 | 2.68
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Michio Morishima: Was kann Japan tun? München: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25806-was-kann-japan-tun_29961, veröffentlicht am 16.08.2007.
Buch-Nr.: 29961
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M. A., Politikwissenschaftler.
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