/ 22.06.2013
Christina Deckwirth
Vom Binnenmarkt zum Weltmarkt. Die Liberalisierung und Globalisierung des europäischen Dienstleistungssektors
Münster: Westfälisches Dampfboot 2010; 333 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-89691-788-1Politikwiss. Diss. Marburg; Gutachter: H.-J. Bieling, F. Deppe. – Deckwirth geht der Frage nach, warum sich die EU zu einer treibenden Kraft bei der Liberalisierung des globalen Dienstleistungsmarktes im Rahmen der GATS-Verhandlungen entwickelt hat. Ausgehend von dem Konzept der doppelten Europäisierung untersucht sie dabei das Zusammenspiel struktureller und strategischer Entwicklungen und Triebkräfte. Das strukturelle Wachstum des Dienstleistungsmarktes seit den 80er-Jahren führte – in Verbindung mit der Schaffung des gemeinsamen Marktes – zu einem schnellen Anstieg der Zahl transnationaler Dienstleistungsunternehmen innerhalb der EU und zugleich zu einer strategischen Stärkung entsprechender Interessenkonstellationen, so die Feststellung der Autorin. Dieser Prozess der internen Europäisierung stellte gleichzeitig die Grundlage für das europäische Interesse an einer externen Europäisierung des Dienstleistungsmarktes im Rahmen der GATS-Verhandlungen dar. Die EU ging hier explizit mit dem Ziel der Schaffung neuer Investitionsmöglichkeiten für die heimischen Dienstleistungsunternehmen in die Verhandlungen. Die Autorin zeigt, dass auf Basis dieser doppelten strategischen Aktivität der Kommission der europäische Dienstleistungsmarkt weiter gestärkt und dereguliert werden konnte. Zugleich waren den Bemühungen einer WTO-basierten Konstitutionalisierung dieser wettbewerbstaatlichen Regulierungsweise nur begrenzt Erfolge beschieden. Dies lässt sich zum einen mit dem nachlassenden unternehmerischen Engagement zu einem Zeitpunkt erklären, als die GATS-Verhandlungen ins Stocken gerieten, darüber hinaus aber auch mit den wachsenden sozialen Widerständen sowie schließlich damit, dass sich die WTO nicht als das erwartet starke Forum für einen solchen Konstitutionalisierungsprozess erweisen konnte. Somit stellte die EU zwar insgesamt die treibende strategische Kraft mit Blick auf die Deregulierung des Dienstleistungssektors dar, hat sich jedoch noch nicht zu dem Global Player entwickelt, als der sie von vielen gesehen wurde. Die Studie basiert auf einer breiten empirischen Basis, die neben einer umfangreichen Dokumentenauswertung zahlreiche Interviews umfasst sowie von der teilnehmenden Beobachtung der Autorin in zahlreichen internationalen Verhandlungsgremien profitiert.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 3.5 | 4.43
Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Christina Deckwirth: Vom Binnenmarkt zum Weltmarkt. Münster: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32223-vom-binnenmarkt-zum-weltmarkt_38441, veröffentlicht am 08.12.2010.
Buch-Nr.: 38441
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Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
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