/ 20.06.2013
Matthias S. Fifka
Unternehmensverbände in den USA. Interessenvermittlung im pluralistischen System
Heidelberg: Universitätsverlag C. Winter 2005; XII, 373 S.; geb., 48,- €; ISBN 3-8253-5042-8Diss. Erlangen-Nürnberg; Gutachter: R. Doerries, A. Falke. – Der Verfasser gibt einen Überblick über die Organisationsstrukturen der US-amerikanischen Unternehmensverbände, skizziert die politischen Ziele und die Gründungsgeschichten der wichtigsten Verbände und stellt dar, mit welchen Methoden sie ihre Interessen in den politischen Prozess einbringen. Im Mittelpunkt steht dabei das Lobbying, das in den USA häufig von freiberuflich oder angestellt tätigen Lobbyisten geleistet wird. Diese müssen offiziell registriert sein und ihre Aufgaben, Auftraggeber und Honorare offen legen, wenn ihre Aktivitäten für einen einzelnen Klienten die 20 %-Marke überschreiten. Inzwischen haben sich vielfältige Formen des Lobbyings herausgebildet, die von der gezielten Information und Beeinflussung relevanter Entscheidungsträger oder Kommissionsmitglieder über Massen-Mailings bis hin zu rechtlichen Schritten reichen. Fifka stellt die konkreten Maßnahmen systematisch dar und illustriert deren praktische Bedeutung durch zahlreiche Einzelbeispiele aus den letzten Jahrzehnten. Detaillierter zeichnet er die Arbeit der Interessenverbände anhand zweier konkreter Fallbeispiele aus der Zeit der Regierung Clinton nach, nämlich der gescheiterten Gesundheitsreform von 1993/94 sowie dem 1997 abgelehnten „Fast-Track-Mandat“. Der Autor will prüfen, ob die US-amerikanischen Unternehmensverbände tatsächlich einen so großen Einfluss auf die Politik ausüben, wie ihnen von Kritikern immer wieder unterstellt wird. Letztlich kommt er in dieser Frage jedoch zu keinem klaren Ergebnis, was u. a. auch darin begründet liegt, dass die meinungsverändernden Effekte spezifischer Maßnahmen im Einzelfall kaum eindeutig zu identifizieren sind. Allerdings lege die Tatsache, dass die Verbände seit Jahren kontinuierlich immense Finanzmittel für das Lobbying bereitstellten den Schluss nahe, dieses Geld zeitige auch Effekte, so Fifkas Fazit.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.64 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Matthias S. Fifka: Unternehmensverbände in den USA. Heidelberg: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24080-unternehmensverbaende-in-den-usa_27723, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 27723
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Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
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