/ 18.06.2013
Jörg Jacobs
Tücken der Demokratie. Antisystemeinstellungen und ihre Determinanten in sieben post-kommunistischen Transformationsländern
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2004 (Politische Kultur in den neuen Demokratien Europas 3); 340 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 3-8100-3709-5Diss. Frankfurt/O.; Gutachter: D. Pollack, D. Fuchs. - Im Rahmen einer Sekundäranalyse untersucht Jacobs Ausmaß und Ursachen von gegen das demokratische System gerichteten Einstellungen in den Transformationsgesellschaften der vier Visegrád-Staaten, Bulgariens, Rumäniens und Ostdeutschlands. Als Systemgegner gelten diejenigen Befragten, die das neue System nicht besser bewerten als das kommunistische Vorgängerregime und zugleich auf der normativen Ebene eine Präferenz für ein nicht-demokratisches Staatswesen bekunden. Hinsichtlich der Verbreitung von Antisystemeinstellungen lassen sich drei Staatengruppen voneinander unterscheiden: Ostdeutschland, Polen und Tschechien mit relativ geringen Anteilen an Systemgegnern, Ungarn und die Slowakei mit mittleren Werten sowie die südosteuropäischen Staaten, in denen bis zu 45 Prozent der Bürger das System ablehnen. Bei den Determinanten der Antisystemeinstellungen bestehen zwischen den Untersuchungsländern hingegen nur geringe Unterschiede; von einem ostdeutschen Sonderfall kann demnach nicht die Rede sein. Die stärkste Erklärungskraft kommt der Haltung zum Sozialismus, den ökonomischen Erfahrungen seit dem Regimewechsel und dem Vertrauen in die Regierung zu. Die in der politischen Kulturforschung virulente Frage, ob in postkommunistischen Gesellschaften die Einstellungen zur neuen politischen Ordnung eher durch die Sozialisation im alten Regime (Sozialisationshypothese) oder durch die Erfahrungen seit 1989/90 (Situationshypothese) bedingt sind, beantwortet Jacobs zugunsten der letzteren. Zwar komme Alltagserfahrungen und der individuellen Lebenssituation Bedeutung zu, doch seien sozialpsychologische Modelle besser zur Erklärung von Antisystemeinstellungen geeignet.
Michael Edinger (ME)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Sonderforschungsbereich 580, Universität Jena (www.uni-jena/svw/powi/sys/edinger.html).
Rubrizierung: 2.2 | 2.22 | 2.23 | 2.62
Empfohlene Zitierweise: Michael Edinger, Rezension zu: Jörg Jacobs: Tücken der Demokratie. Wiesbaden: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18615-tuecken-der-demokratie_21583, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 21583
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M. A., wiss. Mitarbeiter, Sonderforschungsbereich 580, Universität Jena (www.uni-jena/svw/powi/sys/edinger.html).
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