/ 04.06.2013
Franz-Josef Brüggemeier
Tschernobyl, 26. April 1986. Die ökologische Herausforderung
München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1998 (20 Tage im 20. Jahrhundert); 311 S.; 19,90 DM; ISBN 3-423-30617-3Der GAU in den Kernreaktoren von Tschernobyl: ein triftiger Anlaß, um grundsätzlich über das Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt nachzudenken. Wie steht es um den Grundsatz der Nachhaltigkeit, um die vorausschauende, umweltschonende Energiegewinnung und ihre sparsame Nutzung? Der zentrale Punkt in Brüggemeiers lesenswerter und engagiert geschriebener Analyse wird durch den Begriff "Wachstum" markiert. Und obwohl seit 1972 "Die Grenzen des Wachstums" als Schlagwort anerkannt sind, kann Brüggemeier nicht feststellen, daß diese Grenzen irgendwo sichtbar geworden sind; er kann aber auch nicht feststellen, daß ein grundsätzlicher Wandel in der Umweltpolitik eingesetzt hat. So haben die Ölkrisen nicht zu einem absoluten Energie-Minderverbrauch geführt, sondern im Gegenteil die technische Entwicklung forciert, die es nun ermöglicht, fossile Brennstoffe ökonomischer zu verwerten. Brüggemeier propagiert keineswegs den optimistischen Fortschrittsglauben, warnt allerdings auch davor, die Prognosen für die Umweltpolitik allzu pessimistisch zu beurteilen. Dennoch: Das Lernverhalten gegenüber den Umweltproblemen ist schwerfällig genug, und die Widerstände gegen grundlegende ökologische Kurswechsel sind hinsichtlich der dadurch anfallenden Kosten auch weiterhin zählebig.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 4.45 | 2.261 | 2.62
Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Franz-Josef Brüggemeier: Tschernobyl, 26. April 1986. München: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3971-tschernobyl-26-april-1986_5645, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 5645
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Dr., Historiker.
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