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/ 17.06.2013
Martin Sebaldt

Transformation der Verbändedemokratie. Die Modernisierung des Systems organisierter Interessen in den USA

Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2001; 410 S.; brosch., 39,- €; ISBN 3-531-13769-7
In welchem Umfang sind gesellschaftliche Interessen in den USA landesweit organisiert, und wie hat sich dieses System zwischen 1955 und 1995 verändert? Gibt es vor dem Hintergrund gesamtgesellschaftlicher Modernisierung politikfeldspezifische Transformationsprozesse, und lassen sich Muster bei der Modernisierung der Verbändelandschaft erkennen? Sebaldt liefert, im Wesentlichen populationsökologischen Ansätzen folgend, eine beeindruckende "umfassende diachrone Quantifizierung und typologische Vermessung" (21) der US-amerikanischen Verbändelandschaft in 5-Jahres-Schritten. Dabei werden u. a. Mitgliederzahlen und -entwicklung ebenso berücksichtigt wie die recht hohe Verbandsmortalität, regionale Verteilungen sowie insbesondere Sebaldts Einordnung der Organisationen in 17 Politikfelder und 100 Politiksektoren. Nicht untersucht werden die tatsächliche verbandliche Einflussnahme oder die innerverbandliche Willensbildung. Weitgehend ausgespart bleiben profitorientierte Vereinigungen, Parteien, Think Tanks etc. Die Ergebnisse werden außer im Text in 102 tabellarischen Gesamtübersichten über die jeweiligen Organisationen einzelner Politiksektoren sowie 61 Balkendiagrammen und 62 Tabellen aufbereitet. Als Basis dient Sebaldts eigene Datenbank mit ca. 140000 Datensätzen. Völlig offen bleibt allerdings, in welchem Umfang Sebaldts "eigene Recherchen" die Informationen aus der Hauptquelle, der "Encyclopedia of Associations" tatsächlich ergänzen. Worauf genau der Autor seine eigenen Hochrechnungen für die Jahre 1990 und 1995 basiert, wird auch nicht offen gelegt. Aus der Fülle interessanter, sehr differenzierter Einzelergebnisse seien hier nur stichwortartig die lineare Gesamtzunahme der Anzahl der Verbände von ca. 9000 im Jahre 1955 auf ca. 24000 in 1995 (was einer annähernden Verdopplung der Zahl der Verbände je Einwohner entspricht), die konstante Abnahme des Anteils ökonomisch orientierter Organisationen zugunsten aller übrigen Sektoren (wie überhaupt postmaterialistische Trends in allen Bereichen bestätigt werden) sowie die zunehmende räumliche Dispersion von Verbandszentralen zulasten des Nordostens der USA genannt. Aufgrund seines Referenzcharakters hinsichtlich des landesweiten Gesamtbestandes führt an dem gut lesbaren Band für niemanden, der sich in irgendeiner Weise mit organisierten Interessen in den USA befasst, ein Weg vorbei. Leider fehlt ein Register, welches spezifisch Interessierten das schnelle Auffinden von Informationen zu einzelnen Organisationen erlauben würde. Auch ein Verzeichnis der Tabellen und Diagramme fehlt. Da aktualisierte Auflagen im 5-Jahresrhythmus nahe liegen, könnte beides mit der nächsten Auflage nachgereicht werden. Aus dem Inhalt: II. Dimensionen der Modernisierung: Die theoretische Annäherung an den Gegenstand; III. Pluralismus als Prinzip: Die Verbandslandschaft der USA im diachronen Überblick: 1. Allgemeine Strukturmerkmale des amerikanischen Verbändesystems: Zur Einführung; 2. Die Topographie der amerikanischen Verbandslandschaft. IV. Die Entwicklung des Verbändesystems der USA seit 1955: Der empirische Detailbefund: 1. Sozialstruktur im Wandel: Gesellschaftspolitische Verbände zwischen Traditionalismus und Modernität; 2. Wissensexplosion und die Suche nach Identität: Zur Evolution kulturpolitischer Vereinigungen; 3. Wirtschaftsverbände im Wandel: Muster ökonomischer Modernisierung; 4. Zwischen "Civil Society" und Weltmachtrolle: Die Organisation politischer Interessen im Wandel; 5. Die Erschließung der Umwelt zwischen Chance und Risiko: Verbände im Felde des Umweltschutzes und der infrastrukturellen Gestaltung des Lebensraums. V. Die Transformation der amerikanischen Verbändedemokratie: Eine systematische Bilanz: 1. Die empirischen Befunde; 2. Die theoretischen Folgerungen. VI. Anhang: Übersichten zu den im Text nicht behandelten Politiksektoren.
Andreas Beckmann (AB)
M. A., Doktorand, Institut für Sozialwissenschaften, Bereich Politikwissenschaft, Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.642.22 Empfohlene Zitierweise: Andreas Beckmann, Rezension zu: Martin Sebaldt: Transformation der Verbändedemokratie. Wiesbaden: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16399-transformation-der-verbaendedemokratie_18830, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 18830 Rezension drucken
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