/ 21.06.2013
Martina Peitz
Tigersprung des Elefanten. Rent-seeking, Nation Building und nachholende Entwicklung in Thailand
Zürich/Berlin: Lit 2008 (Südostasien 12); 473 S.; brosch., 48,90 €; ISBN 978-3-8258-1772-5Diss. phil. Zürich; Gutachter: V. Bornschier. – Die Autorin beschreibt die Staats- und Nationsbildung und die wirtschaftliche Entwicklung Thailands als untypisch, aber – zumindest bis zur Asien-Krise – erfolgreich. Dieser Erfolg ist nicht das Ergebnis einer neoliberalen Wirtschaftspolitik und von dem anderer südostasiatischer Tigerstaaten abzugrenzen. Peitz zeigt, dass der Grundstein für diese Entwicklungsgeschichte bereits vor 1800 gelegt wurde. Schon früh wurde Thailand zum Knotenpunkt des Handels. Wesentliches Gewicht ist dann der verhinderten Kolonialisierung zuzuschreiben, Thailand wurde nur von außen zu einer – sich auszahlenden – Verwaltungsreform gezwungen. Die Gebietsverluste im Süden erwiesen sich ebenfalls als ein positiver Faktor, weil Minderheiten aus dem Staat ausschieden und damit politische Probleme vermieden wurden. Im Folgenden verlief nach Erkenntnis der Autorin die ökonomische Entwicklung zwar langsamer als in den benachbarten Kolonien und später unabhängigen Staaten, aber auf einer soliden Basis. So bot die (zwar extensive) Agrarwirtschaft, die durch Landgewinnung räumlich ausgedehnt werden konnte und von unabhängigen Bauern betrieben wurde, den Arbeitskräften, die in die Städte abwanderten, einen Rückzugsraum und eine relative soziale Sicherheit. Die Industrialisierung konnte so auf dem Fundament der Agrarwirtschaft ohne die Verarmung größerer Bevölkerungsgruppen vollzogen werden. Der eigentliche Aufschwung erfolgte dann in den 80er-Jahren, als infolge des hohen Yen-Kurses Produktionen aus Japan verlagert wurden, wovon Thailand ebenso profitierte wie vom gesunkenen Ölpreis. Die Autorin betont, dass in allen Entwicklungsphasen der Staat eine herausragende Rolle spielte. Außerdem löst sie ihre Interpretation von den Maßstäben der westlichen Länder und betrachtet die Korruption als in das Staats- und Wirtschaftssystem integriert und als nicht wachstumshemmend. Thailand wird von einem „kompetitiven Klientelismus“ (43) geprägt, in dem politische Elite und kommerzielle Klasse in „wechselseitige[r] Verwundbarkeit“ (48) miteinander verbunden sind.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.68 | 2.2 | 2.21 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Martina Peitz: Tigersprung des Elefanten. Zürich/Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30252-tigersprung-des-elefanten_35897, veröffentlicht am 11.03.2009.
Buch-Nr.: 35897
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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