/ 22.06.2013
Katharina Holzinger / Christoph Knill / Stephan Heichel / Thomas Sommerer
Theorie und Empirie internationaler Politikkonvergenz. Eine vergleichende Analyse der Umweltpolitik zwischen 1970 und 2000
Opladen/Farmington Hills: Verlag Barbara Budrich 2010; XI, 232 S.; kart., 28,- €; ISBN 978-3-86649-342-1Inwieweit Globalisierung und Europäisierung zu Angleichungsprozessen von nationalen Politiken führen und welche Faktoren eine Politikkonvergenz bewirken, ist das Thema dieser Studie. Der erste Teil enthält eine ausführliche Diskussion der Theorie und Methodik der Konvergenzforschung. Im zweiten Teil erfolgt eine quantitative Analyse der Umweltpolitiken von 24 Staaten (19 heutige EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen, die Schweiz, Japan, Mexiko und die USA) über den Zeitraum von 1970-2000. Die Wahl für das Beispiel Umweltpolitik begründen die Autoren u. a. mit der relativ einfachen Messbarkeit von Regulierungsaktivitäten. Für den systematischen Vergleich konnten 40 unterschiedliche Maßnahmen im Umweltbereich berücksichtigt werden. Für die Analyse von Ausmaß und Richtung der Konvergenz wird zwischen verschiedenen Policy-Dimensionen und -Typen unterschieden. Um die Schwächen einer herkömmlichen Aggregatdatenanalyse auszugleichen, wurde zusätzlich das Konzept des Paarvergleichs zur Messung der Politikähnlichkeit angewendet. 276 Länderpaare wurden damit betrachtet. Insgesamt konnte eine kontinuierliche Ausbreitung von umweltpolitischen Maßnahmen in Richtung einer Verschärfung von Politikzielen und Grenzwerten festgestellt werden. Umgekehrt konnten die Autoren „keinen Beleg für ein Race to the bottom finden“ (144). Vor allem handelsrelevante und rechtsverbindliche Policies verzeichneten relativ hohe Übernahmeraten. Als Erklärungsfaktoren für die festgestellte Konvergenz führen die Autoren die internationale Harmonisierung und – ein für sie überraschender Befund – die transnationale Kommunikation an. Der Regulierungswettbewerb, der als dritte unabhängige Variable berücksichtigt wurde, hatte hingegen kaum Effekte auf die Angleichungsprozesse. In der Summe trage die internationale Verflechtung dazu bei, „dass die Umweltpolitiken industrialisierter Länder ähnlicher, umfassender und strenger werden. […] Die Weiterentwicklung und Verschärfung internationaler Umweltregime, ebenso wie die Aufforderungen internationaler Organisationen, dass Informationen ausgetauscht und Vorgehensweisen evaluiert werden, scheinen somit viel versprechende Ansätze zu sein, um auf die aktuellen Herausforderungen im Umweltbereich zu reagieren.“ (187)
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.261 | 4.45
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Katharina Holzinger / Christoph Knill / Stephan Heichel / Thomas Sommerer: Theorie und Empirie internationaler Politikkonvergenz. Opladen/Farmington Hills: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32646-theorie-und-empirie-internationaler-politikkonvergenz_38968, veröffentlicht am 09.02.2011.
Buch-Nr.: 38968
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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