/ 20.06.2013
Navid Kermani
Strategie der Eskalation. Der Nahe Osten und die Politik des Westens
Göttingen: Wallstein Verlag 2005 (Göttinger Sudelblätter); 95 S.; brosch., 12,- €; ISBN 3-89244-966-XKermani versteht diese Sammlung von 19 Artikeln, die zwischen September 2001 und Juni 2005 überwiegend im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht wurden, als politisches „Tagebuch“ (5). Der deutsch-iranische Orientalist kritisiert die amerikanische Außenpolitik, die seiner Meinung nach zu einer Eskalation führen wird. Da der Terrorismus mit immer neuen Gegenmaßnahmen bekämpft werde, drohe sich der Westen seinerseits „den Tabubrüchen der Terroristen spiegelbildlich anzunähern“. Solange die Staaten sich dazu verleiten ließen, die „Sprache von Terroristen zu sprechen“ (76), werde es kein Ende des Terrors geben. Die USA sollten nicht länger „aus einer falsch verstandenen Interessenpolitik verbrecherische und korrupte Regime in der Region“ (15) unterstützen, sondern die Entwicklung ziviler Gesellschaften fördern, um so soziale Gerechtigkeit zu erzielen und dem Extremismus den Boden zu entziehen. Der Irak-Krieg sei begonnen worden, um die amerikanische „Einflusssphäre bis an die Grenzen Russlands“ (33) auszudehnen. Solange die Amerikaner arrogant gegenüber der irakischen Bevölkerung auftäten und deren Wirtschaft ausplünderten, hält Kermani die Demokratisierung des Landes für problematisch. Sollte es dennoch gelingen, dann „nicht wegen, sondern trotz der Befreier“ (72). Aber auch die europäische Außenpolitik wird gerügt; die EU sei unfähig gewesen, eine Alternative zur amerikanischen Politik zu formulieren. Europa hätte nicht die Vereinigten Staaten anklagen sollen, „dass sie gegen Diktaturen zu Felde ziehen“ (85), sondern besser darüber nachdenken sollen, wie diese gestürzt werden können, ohne gleichzeitig das Land zu ruinieren. Als Lösung aus dem Dilemma biete sich allein der Dialog an, die Rückkehr zur Politik und die Einbeziehung der islamischen Länder in den Kampf gegen den Terrorismus.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 1.3 | 4.22 | 2.63 | 2.64 | 2.68 | 2.25 | 2.333 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Navid Kermani: Strategie der Eskalation. Göttingen: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24909-strategie-der-eskalation_28795, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 28795
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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