/ 11.06.2013
Walden Bello
Politik des Hungers. Aus dem Englischen von Max Henninger
Berlin/Hamburg/Göttingen: Assoziation A 2010; 199 S.; 16,- €; ISBN 978-3-935936-91-0Der Träger des alternativen Nobelpreises Bello erörtert die Notlage der Bauern. Dies geschieht im Angesicht einer globalen Ernährungskrise, deren Ursachen er auf die Verdrängung der bäuerlichen durch eine „kapitalistisch-industrielle Landwirtschaft“ (26) zurückführt. Nach Auffassung Bellos sind sowohl die Welthandelsorganisation als auch die Weltbank und der Internationale Währungsfonds durch die von ihnen vorangetriebene radikale Politik liberaler Strukturanpassungen mitverantwortlich für die weltweite Ernährungskrise. Bello verfolgt die historischen Wurzeln dieses Verdrängungsprozesses zwar bis in das 16. Jahrhundert zurück. In der Gegenwart erkennt er allerdings einen besonders aggressiven Vorstoß der kapitalistisch-industriellen Landwirtschaft, der die Kleinbauern des Nordens und des Südens gleichermaßen von den landwirtschaftlichen Produktionsprozessen abkoppelt. Bello analysiert die Auswirkungen dieses strukturellen Umbruchs auf den Philippinen, in Mexiko und auf dem afrikanischen Kontinent. Darüber hinaus wendet er seinen Blick nach China, das seiner Auffassung nach im Agrarhandel inzwischen zu einem Global Player geworden ist. Bello stellt außerdem fest, dass die von der Kommunistischen Partei betriebene Politik der Liberalisierung dazu beigetragen hat, dass die chinesischen Bauern marginalisiert und die Einwohner des riesigen Landes nicht ausreichend ernährt werden. Darüber hinaus sieht er im Boom sogenannter Agrartreibstoffe, die in Entwicklungs- und Schwellenländern wie Brasilien auf riesigen Flächen angebaut werden, eine weitere Ursache für den Rückgang der weltweiten Ernährungssicherheit. Abschließend plädiert Bello für eine Erhaltung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft als der effektivsten Methode zur Bekämpfung sozialer und ökologischer Krisen. Nicht ohne Stolz verweist er deshalb auf die voranschreitende Formierung des kleinbäuerlichen Widerstandes unter dem Dach des mittlerweile 150 Organisationen in 56 Ländern umfassenden Netzwerks La Via Campesina.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 4.45 | 4.43 | 5.45 | 2.67 | 2.68 | 2.65
Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Walden Bello: Politik des Hungers. Berlin/Hamburg/Göttingen: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9665-politik-des-hungers_38729, veröffentlicht am 24.11.2010.
Buch-Nr.: 38729
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