/ 21.06.2013
Marie-Monique Robin
Mit Gift und Genen. Wie der Biotech-Konzern Monsanto unsere Welt verändert. Aus dem Französischen von Dagmar Mallett
Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 2009; 463 S.; 19,95 €; ISBN 978-3-421-04392-4Mit seinem Produkt „Agent Orange“ erlangte der Chemiekonzern Monsanto bereits während des Vietnam-Kriegs eine zweifelhafte Berühmtheit. Gegenwärtig steht das Unternehmen in der öffentlichen Kritik, weil es 90 Prozent der Patente auf gentechnisch veränderte Organismen (GVO) hält und in dem Ruf steht, mit seinen Hybridkulturen Landwirte von sich abhängig zu machen sowie den Marktzugang für seine Produkte mit rigorosen Methoden und ohne Rücksicht auf negative Folgen für Umwelt und Verbraucher durchzusetzen. Verbraucherschützer werfen dem Konzern vor, bei seiner aggressiven Lobbyarbeit nicht einmal vor direkten Eingriffen in demokratische Prozesse zurückzuschrecken. Für ihren gleichnamigen Dokumentarfilm analysierte Robin die Auswirkungen dieser Hybridkulturen auf die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelerzeugung. Das Buch resultiert aus ihren Recherchen zum Film. Diese hatten die Filmemacherin nach Europa, in die USA, nach Kanada, Mexiko, Argentinien, Brasilien, Israel und Italien geführt – und überall war sie auf den Namen Monsanto gestoßen. Der Konzern wirbt damit, dass seine GVOs auch an die Bedürfnisse der Kleinbauern angepasst seien. Robin geht diesem Versprechen beispielsweise in den indischen Bundesstaaten Maharashtra und Andhra Pradesh nach. In Maharashtra, wo BT-Baumwolle von Monsanto angebaut wird, nimmt sich alle acht Stunden ein Kleinbauer das Leben, so das Ergebnis der Recherche, zwischen Juni 2005 und Dezember 2006 gab es dort 1.280 Tote. Robin erfährt, dass die Bauern Schulden bei den Monsanto-Händlern machen, um das viermal so teure transgene Saatgut des Konzerns sowie den dazugehörigen Dünger zu kaufen. Da die BT-Baumwolle aber nicht an die durch den Monsunregen feuchten Böden angepasst sei, komme es oft zu Missernten, die Bauern könnten ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen und sähen keinen anderen Ausweg, als sich das Leben zu nehmen.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 4.43 | 4.45 | 2.64 | 2.65 | 2.68
Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Marie-Monique Robin: Mit Gift und Genen. Stuttgart: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30436-mit-gift-und-genen_36134, veröffentlicht am 13.05.2009.
Buch-Nr.: 36134
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Politikwissenschaftlerin.
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