/ 04.06.2013
Horst Zilleßen (Hrsg.)
Mediation. Kooperatives Konfliktmanagement in der Umweltpolitik
Opladen: Westdeutscher Verlag 1998; 247 S.; kart., 39,80 DM; ISBN 3-531-13112-5Sowohl für "mediationskundige" Leser als auch für Neuinteressierte soll dieser Band "eine Art Handbuch" (14) sein, in dem die Entwicklung von und Erfahrungen mit Mediation in Deutschland und in den USA dargeboten werden. "Mediation" ist nicht etwa nur ein anderer Begriff für "Vermittlung" von Interessen. Vielmehr handelt es sich um ein in den USA entstandenes Verfahren zur kooperativen Konfliktlösung. Entscheidendes Merkmal des Verfahrens ist, daß Problemlösungen nicht von Politik und Verwaltung vorgegeben, sondern von den Betroffenen gemeinsam erarbeitet und ausgehandelt werden. Ein neutraler Dritter, der "Mediator", strukturiert das Verfahren, klärt inhaltliche Fragen, soll Vertrauen bilden (23 f.). Vorsicht ist geboten, will man den Begriff in Verbform verwenden. "Mediatisieren" ist bereits negativ besetzt, denn nach verbreiteter Meinung in der Fachliteratur wird das Volk durch den wachsenden Einfluß der Parteien mediatisiert im Sinne von "abgekoppelt".
In den USA ist Mediation nach Zilleßen "eines von mehreren Verfahren, die unter der Überschrift 'Alternative Dispute Resolution' (ADR) diskutiert und praktiziert werden" (19). Allen diesen Verfahren ist gemein, daß Konflikte kooperativ gelöst werden sollen. In der Praxis der BRD gibt es schon erste Erfahrungen, insbesondere im Umweltbereich, wobei wiederum 40 % die Abfallwirtschaft betreffen (Konflikte über Abfallwirtschaftskonzepte, Deponiestandorte, Müllverbrennungsanlagen etc.). Kapitel VII enthält die Dokumentation und Auswertung von 64 Verfahren der Umweltmediation. Es handelt sich dabei um eine aktualisierte Zusammenfassung von Ergebnissen einer Untersuchung im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung von April 1995 bis März 1996. Die Auswertung ergab zum einen, daß sich bei der Durchführung des Verfahrens der hohe Zeit- und Arbeitsaufwand insbesondere für Umweltverbände und Bürgerinitiativen negativ bemerkbar macht. Außerdem stellte die Willensbildung in den Gruppen während der Verhandlungen ein Problem dar, d. h. das Verhandlungsmandat der teilweise unerfahrenen Mediatoren war nicht klar definiert (36). Zilleßen sieht in der Mediation "eine Möglichkeit zur Modernisierung der Demokratie" (245), da Bürger ein direktes Mitspracherecht bei der Gestaltung ihrer Lebensbedingungen erhalten, und fordert größere Anstrengungen bei der Ausbildung von Mediatoren (242 ff.).
Inhalt: I. Horst Zilleßen: Einführung (8-16); II. Horst Zilleßen: Mediation als kooperatives Konfliktmanagement (17-38); III. Horst Zilleßen: Institutionalisierung von Mediation in den USA und anderen Ländern (39-47); IV. Horst Zilleßen: Das politische, gesellschaftliche und rechtliche Umfeld für Umweltmediation in Deutschland. Theoretische Erkenntnisse und praktische Ansätze (48-76); V. Markus Troja: Politische Legitimität und Mediation (77-107); VI. Thomas Barbian / Matthias Jeglitza: Das Beispiel "Bürgerdialog Flughafen Berlin Brandenburg International" (108-136); VII. Matthias Jeglitza / Carsten Hoyer: Deutsche Verfahren alternativer Konfliktlösung bei Umweltstreitigkeiten (137-183); VIII. Horst Zilleßen: Perspektiven des kooperativen Konfliktmanagements in Deutschland (184-190); IX. Bibliographie und Adressen (191-229); X. Horst Zilleßen: Anhang: Die Ausbildung von Mediatoren - Ergebnisse einer empirischen Untersuchung über die Ausbildung von Umweltmediatoren in den USA (230-246).
Stefan Lembke (SL)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.261 | 2.64 | 2.341 | 2.21
Empfohlene Zitierweise: Stefan Lembke, Rezension zu: Horst Zilleßen (Hrsg.): Mediation. Opladen: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/5167-mediation_6787, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 6787
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M. A., Politikwissenschaftler.
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