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/ 20.06.2013
Sandra Voglreiter

Kurze Leine, langer Atem. Voraussetzungen der Berichterstattung deutscher Korrespondenten in der Einparteiendiktatur China

Köln: Herbert von Halem Verlag 2009 (Journalismus International 3); 124 S.; 17,- €; ISBN 978-386962-003-9
Die Autorin erkundet die Bedingungen, unter denen deutsche Korrespondenten in China arbeiten. Theoretisch bettet sie dies in Sphären ein (v. a. Subjekt- und Gesellschafts-Sphäre), deren grafische Darstellung wenig hilfreich ist, die inhaltlich aber durchaus der Gliederung dienen. Im Untersuchungsjahr 2007 seien 28 hauptberufliche Korrespondenten deutscher Medien in China akkreditiert gewesen, 20 von ihnen habe sie persönlich befragt, schreibt Voglreiter, und deren Aussagen einer quantitativen Inhaltsanalyse unterzogen. Dabei zeige sich, dass unter den Korrespondenten „der Typ des verständnisorientierten neutralen Informationsvermittlers“ (67) dominiere, die Journalisten selbst wiederum aber von chinesischer Seite dem Generalverdacht ausgeliefert seien, „grundsätzlich ein negatives Bild“ (100) vom Land zu vermitteln. Voglreiter schildert des Weiteren nicht nur die Zusammenarbeit mit lokalen Mitarbeitern, die technischen Arbeitsbedingungen und bürokratischen Rahmenbedingungen. Interessant an dieser Studie sind vor allem die wiedergegebenen Eindrücke, die die Korrespondenten seit einer wichtigen Änderung seitens der chinesischen Regierung gesammelt haben: Seit Januar 2007 müssen ausländische Journalisten nicht mehr um Erlaubnis fragen, wenn sie zu Recherchen ihren Wohnort verlassen wollen. Zwar hatten sie auch zuvor meist nicht gefragt, ihre Gesprächspartner waren aber überwiegend davon ausgegangen, dass die Regierung die Interviews erlaube. Nun aber ist verstärkt zu beobachten, dass die Polizei die journalistische Arbeit behindert sowie die chinesischen Gesprächspartner unter Druck setzt bzw. verhaftet. „Es ist so, dass China in den Provinzen immer chaotischer wird“, wird einer der Korrespondenten zitiert. „Die Zentrale hier hat wirklich immer weniger Gewalt über das, was passiert.“ (89) Die Arbeit der Korrespondenten scheint also in den Bereichen, in denen sich nicht mehr die Macht der Diktatur zeigt, eher schwieriger als leichter zu werden. Deshalb genießt der Schutz der Informanten, so die einhellige Aussage, oberste Priorität.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.682.333 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Sandra Voglreiter: Kurze Leine, langer Atem. Köln: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21907-kurze-leine-langer-atem_37613, veröffentlicht am 17.02.2010. Buch-Nr.: 37613 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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