/ 21.06.2013
Lotta Suter
Kein Frieden mehr. Die USA im Kriegszustand
Zürich: Rotpunktverlag 2008; 284 S.; brosch., 24,- €; ISBN 978-3-85869-365-5Die Journalistin Suter versammelt in diesem Band zwölf Essays zur außen- und insbesondere innenpolitischen Situation der USA des Jahres 2007. Der einheitliche Tenor der Beiträge ist, dass sich die USA schon längst nicht mehr nur außerhalb des eigenen Territoriums wie im Irak im Kriegszustand befänden, sondern dass dieser längst auf das innenpolitische Klima des Landes, seine demokratische Kultur und Gesellschaft selbst zurückgewirkt habe. In dem Kapitel „Krieg als Geschäft“ beschreibt die Autorin eindringlich die unheilvolle Verbindung von Militär und Industrie, politischer Elite und Wirtschaftsführern. Mittlerweile, so Suter, gebe es Interessen finanzieller Art, denen an einer möglichst langen Dauer der militärischen Einsätze der USA gelegen sei, denn nicht zufällig habe weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit der Rüstungssektor 2004 mit dem „SPADE Defense Index“ eine eigene Kennzahl an der Börse erhalten. Zu den Schlagworten Privatisierung, Outsourcing und privater Dienstleistungssektor führt die Autorin aus: „Der Meisterstreich des ehemaligen US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld war es, die neoliberale wirtschaftliche Revolution der 90er-Jahre mitten in die mächtigste Armee der Welt hineinzutragen.“ (73) Erst dies habe privaten Sicherheitsunternehmen wie Blackwater u. a. den Umfang ihrer Einsätze ermöglicht. Dass diese Unternehmen keiner demokratischen Kontrolle unterliegen, ja zum Teil gar private Spionagedienste die US-Regierung mit Informationen versorgen, hält die Autoren für hochgradig bedenklich. In der amerikanischen Debatte zwischen dem Politologen Alan Wolfe und der Kulturkritikerin Naomi Wolf, die in der amerikanischen Gesellschaft zunehmend faschistische Tendenzen auszumachen meint, schlägt Suter sich auf die Seite Naomi Wolfs, wenn sie formuliert: „Die erschreckende Gleichgültigkeit der amerikanischen Öffentlichkeit angesichts der Folgen des 'Präventivkrieges' im Irak [..,] diese Hintanstellung des Wertes von Leben [...] ist alles andere als anitfaschistisch.“ (262)
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.64 | 2.22 | 2.2 | 2.23 | 4.22
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Lotta Suter: Kein Frieden mehr. Zürich: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29255-kein-frieden-mehr_34595, veröffentlicht am 12.08.2008.
Buch-Nr.: 34595
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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