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/ 11.06.2013
Stefan A. Schirm

Globale Märkte, nationale Politik und regionale Kooperation in Europa und den Amerikas

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 1999; 238 S.; brosch., 58,- DM; ISBN 3-7890-6239-1
Politikwiss. Habilitationsschrift München; Gutachter: P. J. Opitz. - Schirm will der Frage nachgehen, wieso sich in den internationalen Beziehungen seit dem Ende der 80er Jahre vermehrt und in ungekannter Intensität in verschiedenen Regionen der Welt Kooperationen wie etwa der Europäische Binnenmarkt, das nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA oder der Zusammenschluß Südamerikas im MERCOSUR gebildet haben. Dazu kommt noch die Frage, wieso sich diese regionalen Kooperationen unter dem Vorzeichen der wirtschaftlichen Liberalisierung eingestellt und entwickelt haben. Zwei theoretische Erklärungsmuster, die in diesem Zusammenhang herangezogen werden könnten, der neofunktionalistische Institutionalismus und der neorealistisch-liberale Intergouvernementalismus, sieht Schirm jeweils mit Defiziten hinsichtlich der spezifischen Kausalität und Simultaneität regionaler Kooperation behaftet. Doch genau "die Erklärung der Präferenz nationaler Regierungen für wettbewerbsorientierte regionale Kooperation" (22) ist das Ziel der Arbeit. Zu diesem Zweck will Schirm die bestehenden theoretischen Ansätze um das Konzept "globale Märkte" (24) ergänzen, das er bewußt von Globalisierung unterscheidet und im engeren wirtschaftlichen Sinne verstanden wissen will. Um die Wirkung globaler Märkte näher fassen zu können, untersucht Schirm als empirische Fallbeispiele die nationale Entwicklung in Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien, Argentinien, Brasilien, Mexiko und den USA. Neben einer Analyse der Grundlagen und Intentionen der in den Gründungsdokumenten regionaler Kooperation zum Ausdruck kommenden Grundlagen und Intentionen zieht er dabei quantitatives Material über wirtschaftliche Prozesse und qualitative Aussagen des politischen Diskurses in den jeweiligen Ländern zur regionalen Kooperation heran. In fast allen Fällen ist ein Wandel von tendenziell binnenorientiert-interventionistischer Politik zu größerer Öffnung und Liberalisierung zu verzeichnen. Unter anderem bestätigt Schirm die von ihm zu Beginn seiner Arbeit aufgestellte These: "Regionale Kooperation wird in dem Maß attraktiv, in dem sie ein Mittel zur politisch verträglicheren und ökonomisch effizienteren Anpassung an globale Märkte bietet, d. h. im Hinblick auf die Staatsaufgabe 'Wohlfahrt' eine zum Machterhalt bessere Anpassung an globalen Wettbewerb ermöglicht." (210) Abschließend versucht er abermals die theoretische Integration der Wirkung globaler Märkte in die Theorien internationaler Beziehungen, denn "politikwissenschaftliche Erklärungsansätze [müßten] diese nicht-staatliche, nicht-nationale Ebene sozialer Interaktion stärker berücksichtigen" (219).
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 4.432.2622.612.64 Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Stefan A. Schirm: Globale Märkte, nationale Politik und regionale Kooperation in Europa und den Amerikas Baden-Baden: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11158-globale-maerkte-nationale-politik-und-regionale-kooperation-in-europa-und-den-amerikas_13190, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 13190 Rezension drucken
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