/ 30.01.2014
Achim Maas / Balázs Bodó / Clementine Burnley / Irina Comardicea / Roger Roffey (Hrsg.)
Global Environmental Change. New Drivers for Resistance, Crime and Terrorism?
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2013; 298 S.; 54,- €; ISBN 978-3-8329-6894-6Globale menschengemachte Umweltveränderung und ‑zerstörung prägen unser Zeitalter. Dieser Megatrend wird in dem Sammelband mit sicherheitspolitischen Themen wie Kriminalität, Terrorismus und Unruhen verknüpft. So nehmen die Mitherausgeber Maas, Comardicea und Bodó in ihrem Beitrag an, dass Terroristen fragile Ökosysteme als mögliche Anschlagsziele ins Visier genommen haben – Umwelt‑Terrorismus missbrauche die Kräfte der Natur als Waffen gegen die Gesellschaft. Das umfasse gelegte Waldbrände oder Anschläge auf Staudämme, aber auch das Vergiften von Lebensmitteln oder Wasserreservoirs. In Einzelfällen sei es auch schon zum gezielten Freisetzen invasiver Tierarten gekommen. Die Autoren räumen aber ein, dass die Zahl der tatsächlich begangenen umweltterroristischen Akte verschwindend gering ist. Ob etwa die Ausrufung eines Forest Jihad durch Islamisten wirklich Waldbrände zur Folge hatte, bleibt unklar. Zu unterscheiden seien zudem Umweltverbrechen (aus Profitgier) oder Umweltzerstörungen in konventionellen Kriegen. In Zukunft werde das Risiko aber zunehmen, etwa durch leicht verfügbare Biotechnologien. Schon in der Gegenwart relevant sind Unruhen infolge umweltpolitischer Maßnahmen, wie Mishkat Al Moumin in ihrem Beitrag zeigt. So verbot der afghanische Staat 2002 der Bevölkerung den Holzeinschlag. In der Folge brach die legale Holzindustrie zusammen, den Menschen wurde eine wichtige Ressource entzogen und ein florierender Schwarzmarkt entstand. Besonders gewinnbringend war in bestimmten Regionen der Holz‑Schmuggel nach Pakistan. Beteiligt waren die Taliban, Aufständische verschiedener Ethnien und schließlich sogar Teile der Sicherheitskräfte. Der Holzschmuggel führte zu Koalitionen ehemaliger Kontrahenten, fand Unterstützung in der Lokalbevölkerung und finanzierte Angriffe auf die US‑Armee. In der Folge stiegen die Zahl der Kämpfe und der Opfer in diesen Regionen überproportional. Die Idee für das Buch entstammt dem EU‑Forschungsprojekt Securenv, an dem ein Teil der Herausgeber beteiligt ist.
Wolfgang Denzler (WDE)
Diplom-Journalist, Student, Institut für Politikwissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.45 | 2.261 | 2.61 | 2.63 | 2.67 | 2.68 Empfohlene Zitierweise: Wolfgang Denzler, Rezension zu: Achim Maas / Balázs Bodó / Clementine Burnley / Irina Comardicea / Roger Roffey (Hrsg.): Global Environmental Change. Baden-Baden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36682-global-environmental-change_45006, veröffentlicht am 30.01.2014. Buch-Nr.: 45006 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenDiplom-Journalist, Student, Institut für Politikwissenschaft, Universität Hamburg.
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