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/ 22.06.2013
Stefan Rinke

Geschichte Lateinamerikas. Von den frühesten Kulturen bis zur Gegenwart

München: C. H. Beck 2010 (Wissen in der Beck'schen Reihe 2703); 128 S.; 8,95 €; ISBN 978-3-406-60693-9
Die historische Entwicklung Lateinamerikas von den Anfängen der menschlichen Besiedlung bis zur Gegenwart auf so wenigen Seiten darzustellen, ist eine Herausforderung. Rinke, Professor für die Geschichte Lateinamerikas an der FU Berlin, konzentriert sich deshalb auf die zentralen Entwicklungslinien in der lateinamerikanischen Geschichte. Während die präkolumbischen Hochkulturen und die indigenen Kulturen bis zum Kontakt mit den Europäern nur gestreift werden, geht der Autor näher ein auf die Entdeckung, Eroberung und den Aufbau der Kolonialreiche, die Festigung der Kolonialherrschaft im 17. und 18. Jahrhundert, die revolutionären Wege in die Unabhängigkeit und die Probleme bei der Staatenbildung im 19. Jahrhundert. Diese Reise durch die Geschichte setzt Rinke fort, indem er an den Ausbruch der Revolution in Mexiko 1910 erinnert und die Auswirkungen der globalen Krisen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf Lateinamerika beschreibt. In diesem Zeitraum habe auf dem Subkontinent ein tief greifender sozialer Wandel eingesetzt, es habe sich eine Rückbesinnung auf die bis dahin „verleugneten Elemente der sozialen Wirklichkeit“ vollzogen. Diesen Zeitraum beschreibt Rinke als „Zeit des Erwachens lateinamerikanischen Selbstbewusstseins“ (98). Eine weitere Station ist die Phase des Kalten Krieges, die er als eine der „enttäuschten Hoffnungen“ (113) bezeichnet, denn die ersehnten Erfolge seien ausgeblieben, die Frage der sozialen Ungleichheit sei ungelöst geblieben. Gleichzeitig hätten sich mit dem Bevölkerungswachstum und der Urbanisierung neue Probleme aufgetan. Schließlich gelangt er in die Gegenwart: „Während der Neoliberalismus in wirtschaftlicher Hinsicht prägend für die zwei Jahrzehnte seit 1989/90 waren, war es in politischer Hinsicht der Neopopulismus“ (117), der von Carlos Menem in Argentinien bis zu Hugo Chávez in Venezuela reiche. Unsicherheit und Gewalt seien zentrale Faktoren im Alltag der großen Mehrheit der lateinamerikanischen Bevölkerung geblieben, die zwei Dekaden seit den politischen Umbrüchen hätten nicht den erhofften sozialen Wandel gebracht.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.65 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Stefan Rinke: Geschichte Lateinamerikas. München: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32813-geschichte-lateinamerikas_39187, veröffentlicht am 15.02.2011. Buch-Nr.: 39187 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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