/ 17.06.2013
Philip Yale Nicholson
Geschichte der Arbeiterbewegung in den USA. Mit einem Vorwort von Michael Sommer. Aus dem Amerikanischen von Michael Haupt
Berlin: vorwärts buch GmbH 2006; 415 S.; brosch., 38,- €; ISBN 978-3-86602-980-4Es ist (fast) die ganze Geschichte der USA, die Nicholson, Professor für Geschichte am Nassau Community College, anschaulich formuliert und engagiert in der Sache erzählt – die Geschichte eines Landes, dessen Wohlstand durch die Leistung der Arbeiter, der diskriminierten Schwarzen und Frauen entstanden ist, die aber selbst nur selten davon profitierten. Zwar hat die Gesellschaft immer Aufstiegsmöglichkeiten für den Einzelnen geboten, strukturelle Ungerechtigkeiten setzten sich aber über Jahrhunderte fort. Nicholson beginnt seine historische Analyse mit den kulturellen Prägungen der ersten europäischen Einwanderer: „Da im 16. Jahrhundert fast alle körperliche Arbeit in Knechtschaft oder Abhängigkeit verrichtet wurde, nimmt es nicht wunder, dass die einheimische Bevölkerung in Amerika vielfach auf krudeste Weise versklavt wurde.“ (23) Aber nicht nur der Umgang mit den Indianern, sondern auch mit den Schwarzen habe das Land von Anbeginn tief greifend geprägt: „Einige Historiker sind der Ansicht, dass Sklavenarbeit und -handel die ökonomischen Grundlagen der industriellen Revolution schufen und deuten das System der Plantagensklaverei als Vorläufer des Industrieproletariats.“ (25) Von diesen Ausgangspunkten entwickelt Nicholson den langen Kampf der Arbeiterbewegung, ihre Erfolge wie die Legalisierung von Streiks und die Verabschiedung von Arbeitsschutzgesetzen, aber auch ihre Versäumnisse wie die immer wieder fehlende Berücksichtigung der Belange der Schwarzen. Den Staat beschreibt der Autor als keineswegs neutral, nur gegen Ende des Zweiten Weltkriegs habe der ungleiche Kampf zwischen Kapital und Arbeit für den Augenblick ein ungewöhnliches Gleichgewicht erreicht. Der Entwicklung einer modernen Industrienation entsprechende Fortschritte zugunsten der Rechte von Arbeitern kann Nicholson bis in die Gegenwart hinein nicht erkennen. Immer wieder gelinge es den Gegnern der Arbeiterbewegung, sich der Loyalität der Arbeiter zu versichern, „indem sie deren rassischen, religiösen und nationalen Vorurteile pflegen und Ängste schüren“ (380).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.64 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Philip Yale Nicholson: Geschichte der Arbeiterbewegung in den USA. Berlin: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14694-geschichte-der-arbeiterbewegung-in-den-usa_26580, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 26580
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