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/ 20.06.2013
Lydia Krüger

Forcierte Deregulierung, Finanzkrisen und Denationalisierung in Schwellenländern

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2005 (Europäische Hochschulschriften: Reihe XXII, Soziologie 405); 363 S.; brosch., 56,50 €; ISBN 3-631-54022-1
Soziolog. Diss. Trier. – Drei Hypothesen stehen im Mittelpunkt der Arbeit: Erstens seien die Schwellenländer von internationalen Organisationen zur Liberalisierung des Kapitalverkehrs im Interesse von Finanzkonzernen der Industrienationen gedrängt worden. Zweitens seien die Finanzkrisen primär durch die Deregulierung und Liberalisierung des Kapitalverkehrs ausgelöst worden und drittens gehörten die Krisenverursacher zugleich zu den Profiteuren der Krisen. Die Autorin entwickelt ein Modell von Finanzkrisen in Schwellenländern, das hauptsächlich externe Erklärungsfaktoren betont. Die Grundlage dafür sind Theorien der internationalen politischen Ökonomie und entwicklungstheoretischen Ansätze sowie ein Vergleich der Verschuldungskrise in den frühen 80er-Jahren mit den Zusammenbrüchen der Finanzmärkte in den späten 90er-Jahren. Sie erweitert ihren Untersuchungsrahmen darüber hinaus um die nationale Perspektive und analysiert mit zwei Fallstudien zu Argentinien und Südkorea die jeweiligen politischen und wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse bei der Umsetzung einer neoliberalen Reformpolitik und im Krisenmanagement. Als Ergebnis kann Krüger den Zusammenhang von neoliberalen Reformen und dem Auftreten von Finanzkrisen und insbesondere die These der forcierten Liberalisierung nachweisen, räumt aber ein, dass neben der Deregulierung der Finanzmärkte weitere Faktoren ebenso maßgeblich waren. Auch zählten IWF und WTO sowie die Finanzkonzerne der Industriestaaten nicht zu den einzigen Profiteuren der Krise, sondern ebenso die einheimischen Eliten in den Schwellenländern. Aus polit-ökonomischer Perspektive zeigt die Autorin, dass neoliberale Globalisierung nicht bedeutet, „dass der Staat gegenüber den Kräften des freien Marktes an Einfluss und Gestaltungsmöglichkeiten verloren hat – vielmehr greifen staatliche Institutionen [...] bewusst in den Wirtschaftsprozess ein mit dem Ziel, die Interessen privater Großkonzerne gegenüber der eigenen Bevölkerung sowie gegenüber den Ländern des Südens durchzusetzen.“ (322)
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.432.2622.652.68 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Lydia Krüger: Forcierte Deregulierung, Finanzkrisen und Denationalisierung in Schwellenländern Frankfurt a. M. u. a.: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24807-forcierte-deregulierung-finanzkrisen-und-denationalisierung-in-schwellenlaendern_28677, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 28677 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA