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/ 22.06.2013
Bert Rürup / Dirk Heilmann

Fette Jahre. Warum Deutschland eine glänzende Zukunft hat

München/Wien: Carl Hanser Verlag 2012; 290 S.; geb., 19,90 €; ISBN 978-3-446-42919-2
Der ehemalige „Wirtschaftsweise“ Rürup und der Chefökonom des Handelsblatts Heilmann verbinden in dem Buch eine optimistische Prognose für Deutschlands ökonomische Zukunft mit Forderungen nach weiteren Reformen und formulieren die These: Deutschland kann auch künftig zu den größten Profiteuren der Globalisierung gehören. Zudem habe die Politik wichtige Veränderungen etwa im Sozialsystem erreicht, die nun Früchte tragen. Der Titel passt gut in die aktuelle Stimmungslage einer frohen Verwunderung über Deutschlands wirtschaftliche Potenz. Die Autoren blicken zurück auf den Pessimismus der Jahrtausendwende und die Reformerfolge von Rot-Grün. Es habe sich ausgezahlt, nicht den angelsächsischen Weg (Dienstleistungen, New Economy, Finanzsektor) einzuschlagen, sondern auf die Industrie und eigene Stärken im Mittelstand zu setzen. Dass Deutschlands Comeback auch dem Euro zu verdanken ist, findet lediglich an einer Stelle (auf Seite 103) Erwähnung. Im zweiten Kapitel erklären Rürup und Heilmann die Globalisierung und ihre aktuelle Entwicklung. Gerade Deutschland könne vom Aufstieg der BRIC-Staaten profitieren. Sie entwerfen ein „Szenario 2030“ (157) mit Prognosen für die wichtigsten Wirtschaftsnationen und Aufsteiger. In der faktenreichen Analyse gelangen die Autoren zu dem Schluss, dass Deutschland das weltweit größte Pro-Kopf-Einkommen erreichen könnte – dank hohem Wachstum bei langsamer Bevölkerungsabnahme. Dabei gelte es, fünf Herausforderungen zu meistern: Die Wohlstandsgewinne müssten gleichmäßiger verteilt werden, Arbeitsmarkt und Sozialsysteme weiter auf den demografischen Wandel vorbereitet werden. Zudem gelte es, die Wettbewerbsfähigkeit weiterhin zu sichern, den Euro zu retten und die europäische Integration voranzutreiben. Auch wenn der mit einigen Wiederholungen versehene Lobgesang auf das deutsche Wirtschaftsmodell an einigen Stellen etwas überzogen klingen mag, so hebt sich die Argumentation des Buches doch wohltuend von jener der üblichen Sachtitel ab. In ruhigem Ton erklären sie Erfolge und benennen künftige Probleme und Lösungen (u. a. Investitionen in Kinderbetreuung und Bildung, die Erhöhung der Erwerbsquote und die Abschaffung von Subventionen). Einzig die Debatte um Alternativen zum Wachstumsmodell und zur Messung des Glücks kommt sehr kurz. Während andere Buchautoren Chancen im Abschwung sehen, halten Rürup und Heilmann an der Notwendigkeit des Wachstums fest.
Dirk Burmester (DB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
Rubrizierung: 2.32.344.214.43 Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Bert Rürup / Dirk Heilmann: Fette Jahre. München/Wien: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34995-fette-jahre_42100, veröffentlicht am 19.04.2012. Buch-Nr.: 42100 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA