/ 18.06.2013
Volker Fuhrt
Erzwungene Reue. Vergangenheitsbewältigung und Kriegsschulddiskussion in Japan 1952-1998
Hamburg: Verlag Dr. Kovač 2002 (Studien zur Zeitgeschichte 24); 243 S.; 84,- €; ISBN 3-8300-0434-6Politikwiss. Diss. Halle; Gutachterin: G. Foljanty-Jost. - Im Friedensvertrag von San Francisco verpflichtete sich Japan unter anderem zu Reparationsleistungen zur Entschädigung ehemaliger Kriegsgegner für materielle Schäden und seelische Leiden. Anders als in Deutschland hat es in Japan jedoch nie umfassende Diskussionen über die Kriegsschuld gegeben. Stattdessen machten viele Äußerungen von Politikern und innenpolitische Entscheidungen wie die beschönigende Behandlung der japanischen Rolle im Zweiten Weltkrieg in Schulbüchern ein ums andere Mal deutlich, dass viele in der japanischen politischen Elite nicht bereit waren, Japans Verantwortung für seine Aggression und Gräueltaten im Krieg zu akzeptieren. Der Autor untersucht, inwieweit Japans Politik gegenüber früheren Kriegsgegnern vom Geist des Friedensabkommens von San Francisco getragen wurde und inwieweit Druck von außen handlungsbestimmend war. Er identifiziert dabei drei Phasen, die von schlichter Ignoranz der Problematik über eine kurze Sensibilisierungsphase im Zusammenhang mit dem Schulbuchstreit von 1982 bis hin zu offenem Konflikt reichen, als es Anfang der Neunzigerjahre um Entschädigung für Frauen ging, die von der japanischen Besatzungsmacht zur Prostitution gezwungen worden waren. Fuhrt kommt nach Auswertung umfangreicher japanischer Quellen zu dem Schluss, dass äußerer Druck für das Entstehen einer "tendenziell selbstkritischen Haltung der japanischen Regierung wie auch der Öffentlichkeit zur eigenen Vergangenheit" (193) eine entscheidende Rolle spielte. Gerade deshalb bleibt eine echte Aussöhnung mit den ehemaligen Kriegsgegnern jedoch ein schwieriges Problem. Die japanische Gesellschaft ist gegen neu aufkommende revisionistische Bestrebungen nicht immun.
Inhaltsübersicht: 2. Vergangenheitsbewältigung und Kriegsschulddiskussion im Überblick; 3. Im Zeichen reinen Gewissens: Die Normalisierung der Beziehungen zu Südkorea; 4. Der Schulbuchstreit von 1982: Wende zur breiten Thematisierung der Kriegsschuldfrage; 5. Die neue Dimension: Wiedergutmachung an Kriegsopfern in den 1990er Jahren am Beispiel der "Militärtrösterinnen" (jûgun ianfu).
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.68
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Volker Fuhrt: Erzwungene Reue. Hamburg: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17592-erzwungene-reue_20273, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 20273
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M. A., Politikwissenschaftler.
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