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/ 21.06.2013
Holger Schrader

Die Lateinamerikapolitik der USA unter Präsident Clinton: Anspruch und Wirklichkeit

Berlin: Lit 2007 (Studien zu Geschichte, Politik und Gesellschaft Nordamerikas 25); 278 S.; brosch., 29,90 €; ISBN 978-3-8258-0334-6
Politikwiss. Diss. Passau; Gutachter W. Gellner. – Schrader untersucht die deklarierten Ziele der Lateinamerikapolitik Clintons anhand von drei Fallstudien und gelangt dabei jeweils zu folgenden Ergebnissen: 1. Der Kampf gegen Drogen in Kolumbien als externe Maßnahme inländischer Sicherheit: Die Clinton-Regierung habe sich durch innenpolitisches Kalkül zunehmend bei der Bekämpfung der Angebotsseite in den Herstellungsländern engagiert. 2. Die wirtschaftliche Integration im Rahmen der Freihandelszonen NAFTA und FTAA als Maßnahme der Wohlfahrtssicherung: Die NAFTA habe positive Effekte gehabt. Die Wirtschaft und Demokratie in Mexiko seien gestärkt, Arbeitsplätze auch in den USA geschaffen, die Interdependenz vertieft worden. Die Amerikagipfel hingegen seien mäßig erfolgreich gewesen. Die Beurteilung der mittlerweile gescheiterten FTAA in ihrer Bedeutung für die USA ist widersprüchlich: Einerseits beschreibt der Autor die Freihandelszone als ein Projekt, das wirtschaftlich nicht von zentralem Interesse war, andererseits spricht er der FTAA wirtschaftlichen, strategischen und sicherheitspolitischen Nutzen zu. 3. Die Intervention der USA in Haiti als Maßnahme der Demokratieförderung: Schrader kommt nach Darstellung der bürokratischen und politischen Interessen zu dem Urteil, Clintons Entschluss zur Intervention sei innenpolitischen Motiven geschuldet gewesen. Der Autor diagnostiziert einen Trend zur kooperativen Vorherrschaft: Clinton habe einen betont partnerschaftlichen Umgang mit den lateinamerikanischen Staaten gepflegt, sei in sicherheitspolitischen Belangen aber zur einseitigen Durchsetzung der eigenen Interessen bereit gewesen. Seine Lateinamerikapolitik sei damit zwar erfolgreich verlaufen, aufgrund der Diskrepanz zwischen liberaler Rhetorik und realpolitischem Verhalten aber dem eigenen (moralisch hohen) Anspruch nicht gerecht geworden. Die Arbeit ist gut lesbar und bietet, gespickt mit Literaturangaben, einen guten Überblick der Lateinamerikapolitik Clintons bei bewusster Auslassung der Kubapolitik. Der Autor hat zahlreiche Interviews mit Angehörigen der damaligen Regierung und Experten diverser Think Tanks geführt.
Jarek Nikolaus Korczynski (JNK)
Dipl.-Politologe, Doktorand.
Rubrizierung: 4.222.642.65 Empfohlene Zitierweise: Jarek Nikolaus Korczynski, Rezension zu: Holger Schrader: Die Lateinamerikapolitik der USA unter Präsident Clinton: Anspruch und Wirklichkeit Berlin: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27967-die-lateinamerikapolitik-der-usa-unter-praesident-clinton-anspruch-und-wirklichkeit_32865, veröffentlicht am 02.04.2008. Buch-Nr.: 32865 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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