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/ 12.06.2013
Zeljko Crncic

Die indigene Bewegung Ecuadors (CONAIE) Strategien des Framing und der Nutzung politischer Gelegenheitsstrukturen

Berlin: Lit 2012 (Soziologie 72); XXII, 415 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-643-11597-3
Diss. Marburg; Begutachtung: D. Boris, H. Oettler. – Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts sind viele bis dahin unterdrückte Konflikte (wieder) aufgebrochen. Sie sind vollkommen anders gelagert als der systemisch und ideologisch ausgetragene Kalte Krieg. Charakterisierend für diese neuen Konflikte sind unter anderem das Aufkommen und die Wichtigkeit sozialer Bewegungen, die die Interessen marginalisierter Gruppen artikulieren und deren Schutz oder die Verbesserung ihrer ökonomischen und soziokulturellen Lage anstreben. Vor allem außerhalb Europas (beispielsweise in Lateinamerika) fordern soziale Bewegungen auch Rechte der indigenen Bevölkerung ein – stützen sich also auf eine ethnische Argumentation, um politische Veränderungen herbeizuführen. Dies bleibt aber keineswegs unstrittig, sondern führt auch zu überregionalen und heftigen Auseinandersetzungen. Crncic beleuchtet beispielhaft den indigenen Dachverband Ecuadors (CONAIE) und fragt, „auf welche Weise die Indigenen Ecuadors ihre beachtliche Mobilisierung bewerkstelligt haben. Wie ist es ihnen gelungen, über lange Zeitperioden eine große Anzahl von Mitgliedern zu massiven und langanhaltenden Protesten zu bewegen? Gab es Allianzen mit nichtindigenen Akteuren unter Nutzung instabiler politischer Rahmenbedingungen?“ (6 f.) Um diese Fragen zu beantworten, stützt sich Crncic auf die Bewegungsforschung und die von ihr genutzten Frames, verbindet dadurch die bisher vorhandenen verschiedenen Forschungsparadigmen und ermöglicht so eine neue Perspektive auf das Phänomen einer relativ erfolgreichen indigenen Bewegung. Crncic arbeitet heraus, dass es der CONAIE vor allem durch ihre Glaubwürdigkeit und Organisationsstruktur gelang, einen Großteil der Definitionsmacht innerhalb des indigenen Sektors zu erringen. Der Dachverband nutzte Protestformen, die der Öffentlichkeit unbekannt waren (lange Fußmärsche, Nutzung der indigenen Sprache Quishwa) und konnte dadurch weitere Bevölkerungsteile Ecuadors positiv beeinflussen. Nichtsdestotrotz darf die CONAIE nicht als homogene Organisation betrachtet werden: bei den Frames Territorium, Autonomie und Plurinationalität stellt der Autor divergierende Ansichten beziehungsweise auch Konflikte innerhalb der CONAIE fest.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.652.22 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Zeljko Crncic: Die indigene Bewegung Ecuadors (CONAIE) Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14520-die-indigene-bewegung-ecuadors-conaie_42648, veröffentlicht am 18.10.2012. Buch-Nr.: 42648 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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