/ 21.06.2013
Jürgen Nautz
Die großen Revolutionen der Welt
Wiesbaden: marixverlag 2008 (marixwissen); 192 S.; geb., 5,- €; ISBN 978-3-86539-935-9Der Wiener Wirtschafts- und Sozialhistoriker nutzt den Revolutionsbegriff zunächst pragmatisch, wenn er definiert: Revolution sollen jene Ereignisse heißen, „die von den betreffenden Völkern im Nachhinein als Revolution empfunden werden“ (12). Dennoch sympathisiert Nautz stark mit der Aufklärung und einem Revolutionsbegriff, der an den Fortschritt glaubt, insbesondere an die Verwirklichung der Demokratie. Längere Zitate aus den revolutionären Verfassungstexten unterstreichen diese Perspektive, ebenso die Auswahl der Revolutionen: 1789, 1830, 1848, 1871, 1905, 1917, 1918, 1989, dazu die revolutionären Bewegungen in Südeuropa und Lateinamerika, schließlich die sogenannten Farbrevolutionen aus den vergangenen Jahren. Das Augenmerk des Autors liegt – kaum überraschend – auf der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Die Gründe für die Unzufriedenheit der Massen und ihr Kampf um mehr Rechte können anders aber auch kaum verstanden werden, handelt es sich doch um Hunger und Armut, politische Entmündigung und obrigkeitliche Willkür. Die ideengeschichtlichen Motive, die dem Kampf für eine vermeintlich bessere Gesellschaft ebenfalls zugrunde liegen, geraten dadurch zwar aus dem Blick. Ein Buch von derart kleinem Umfang muss jedoch Schwerpunkte setzen und der von Nautz gewählte erfüllt vorzüglich den Zweck einer Einführung in die Materie.
Stefan Militzer (SM)
Dr., Publizist, Frankfurt a. M.
Rubrizierung: 2.25 | 2.61 | 2.62 | 2.63 | 2.64 | 2.65 | 2.68
Empfohlene Zitierweise: Stefan Militzer, Rezension zu: Jürgen Nautz: Die großen Revolutionen der Welt Wiesbaden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28932-die-grossen-revolutionen-der-welt_34156, veröffentlicht am 25.04.2008.
Buch-Nr.: 34156
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Dr., Publizist, Frankfurt a. M.
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