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/ 21.06.2013
Sonja Schüler

Die ethnische Dimension der Armut. Roma im postsozialistischen Rumänien. Mit einem Vorwort von Anton Sterbling

Stuttgart: ibidem-Verlag 2007 (Soviet and Post-Soviet Politics and Society 51); 305 S.; pb., 29,90 €; ISBN 978-3-89821-776-7
Wie hat sich der Systemwechsel in Ost- und Südosteuropa auf die Lebenswirklichkeit breiter Segmente der Roma-Bevölkerung ausgewirkt? Diese Forschungsfrage untersucht Schüler am Beispiel der Entwicklungen in Rumänien nach 1989. Dabei geht sie von der Hypothese aus, dass sich der Randgruppenstatus der Roma in mehrfacher Hinsicht verschärft und das „Fremdbild“ (21) zunehmende Bedeutung für die Inter-Gruppen-Beziehungen gewonnen hat. Der Autorin will die komplexen Zusammenhänge einer europäischen Marginalitätsproblematik veranschaulichen sowie Informationen über eine Minderheit, die ein integraler Bestandteil der europäischen Kulturlandschaft ist, vermitteln. Auf der Grundlage theoretischer Vorüberlegungen zum Ethnizitätskonzept, zum Randgruppenbegriff und zur Bedeutung und Funktion von Stereotyp und Vorurteil werden zunächst spezifische historische Erfahrungen der Roma in Rumänien bis zum Ende des Sozialismus beleuchtet. Nach der anschließenden Untersuchung rechtlich-institutioneller Grundlagen des Minderheitenschutzes nach 1989 analysiert Schüler im Hauptteil die Dimensionen, Hintergründe und Folgen von Verarmung und verstärkter gesellschaftlicher Isolation und erörtert Formen der ethnospezifischen Selbstorganisation. Im Ergebnis sieht sie ihre Hypothese bestätigt. Einerseits habe die Abschaffung sozialistischer Repressionen sowie die Verankerung von Grundrechten im demokratisch verfassten Staat neue Chancen der Entfaltung geboten und somit gesellschaftliche Beteiligung ermöglicht, andererseits zählten viele Roma-Angehörige zu den Verlierern der Modernisierung. Ihre Lebensqualität zeichne sich „durch multidimensionale Marginalität im Sinne eines Zustands des faktischen Ausschlusses vom Zugang zu vorhandenen Ressourcen, Partizipations- und Entfaltungsmöglichkeiten sowie zu gesellschaftlichem Ansehen aus, wobei vielfältige Exklusionsformen den Erhalt der marginalen Situation bedingen“ (258). Da die Roma überproportional in der am stärksten verarmten Gesellschaftsschicht vertreten sind, lasse sich von einer „ethnischen Dimension der Armut“ (259) sprechen.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.612.234.42 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Sonja Schüler: Die ethnische Dimension der Armut. Stuttgart: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27972-die-ethnische-dimension-der-armut_32871, veröffentlicht am 07.03.2008. Buch-Nr.: 32871 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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