/ 17.06.2013
Lawrence E. Mitchell
Der parasitäre Konzern. Shareholder Value und der Abschied von gesellschaftlicher Verantwortung. Aus dem Amerikanischen von Karlheinz Dürr und Klaus Fritz, VerlagsService Mihr
München: Riemann Verlag 2002; 415 S.; geb., 21,90 €; ISBN 3-570-50027-6War es bis vor kurzem Mode, vom Shareholder Value die Lösung aller ökonomischen Probleme zu erwarten, so häufen sich nun die kritischen Stimmen: "Wir aber haben die Unternehmen so konstruiert, dass sie für ihr Handeln nicht einzustehen brauchen." (13) Langfristige Investitionen haben reinen Spekulationen Platz gemacht, aber kurzfristiges Management ist destruktiv und unverantwortlich. Wenngleich Mitchell kein genereller Kritiker des Kapitalismus ist, geißelt er einen radikalen Individualismus und "eine außer Rand und Band geratene Selbstsucht", die für ihn einen "untrennbaren Bestandteil der extremen und verzerrten Version des Aufklärungsliberalismus" (18) darstellt. Er bezweifelt dabei nicht, dass Gewinne für das Überleben der Unternehmen entscheidend sind. Allerdings sei es weniger effektiv, "dieses Ziel direkt anzustreben, als sich auf andere Dinge zu konzentrieren, beispielsweise auf die Produktion bzw. Erbringung von sinnvollen und qualitativ hochwertigen Gütern und Dienstleistungen" (24). Bezogen auf die Weltwirtschaft plädiert er trotz des Fehlens einer Weltautorität für eine Kontrolle der Globalisierung, deren Regelung nicht dem Markt allein überlassen werden dürfe. Da in der Vorstandsetage der Konzerne Menschen sitzen, denen unterstellt werden kann, genauso anständig zu sein wie andere Menschen auch, ist davon auszugehen, dass sie nicht immer ihr Eigeninteresse zu maximieren suchen, sondern dass sie auch guten Motiven folgen können.
Inhalt: I. Grundlagen: Die Philosophie des amerikanischen Unternehmens: 1. Liberalismus in Amerika: Das zentrale Problem unserer Unternehmen; 2. Die perfekte Externalisierungsmaschine; 3. Das Unternehmen als Bühne: Vom Zwang, eine Rolle spielen zu müssen; 4. Ist Wohlstand ein Wert? II. Strukturfallen im Namen des Gesetzes: 5. Manager: Dr. Jekyll oder Mr. Hyde?; 6. Der traditionelle Aktionär: Das Recht der lebenden Toten; 7. Der neue Aktionär: King Kong mit Kurstabelle; 8. Abschied von den Aktionären; 9. Die amerikanischen Arbeitnehmer: Eine Dilbert-Gesellschaft? III. Amerikaner in der Fremde: 10. Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie; 11. Amerikas Recht und Unrecht: Der zunehmende Wirtschaftsimperialismus.
Heinz-Werner Höffken (HÖ)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 2.262 | 2.64 | 4.43
Empfohlene Zitierweise: Heinz-Werner Höffken, Rezension zu: Lawrence E. Mitchell: Der parasitäre Konzern. München: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16521-der-parasitaere-konzern_18974, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 18974
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
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