/ 11.06.2013
Josef Isensee / Wilhelm Rees / Wolfgang Rüfner (Hrsg.)
Dem Staate, was des Staates - der Kirche, was der Kirche ist. Festschrift für Joseph Listl zum 70. Geburtstag
Berlin: Duncker & Humblot 1999 (Staatskirchenrechtliche Abhandlungen 33); XIV, 1.115 S.; Ln., 248,- DM; ISBN 3-428-09814-5Nicht weniger als 56 Autoren haben sich bereit gefunden, Listl mit dieser Festschrift zu ehren - Zeichen für die allgemeine Anerkennung, die der der SJ angehörige Jubilar genießt. Der Titel der Festschrift ist programmatisch zu nehmen: Als Jurist und Theologe ist Listl in zwei Rechtsordnungen, Staatsrecht und Kirchenrecht, zu Hause. Die prinzipielle Trennung von Staat und Kirche kann natürlich nie eine vollkommene sein. So gilt es immer wieder herauszufinden, wie Konflikte zwischen den beiden so unterschiedlich begründeten Rechtssystemen auf eine Weise zu lösen sind, daß beide Seiten, Staat und Kirche, zu ihrem Recht kommen. Dieser Aufgabe hat sich Listl mit seinem "Institut für Staatskirchenrecht der Diözesen" ein Gelehrtenleben lang gewidmet.
Aus dem Inhalt: I. Fundamente der Beziehungen von Staat und Kirche: Gerda Riedl: "So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört" (MK 12, 17). Staatsmacht und Glaubengemeinschaft – Exemplarische Überlegungen zum Verständnishorizont frühchristlichen Rechtsdenkens (3-27); Markus Heintzen: Die Kirchen im Recht der Europäischen Union (29-47); Alexander Hollerbach: Rechts- und Staatsdenken im deutschen Katholizismus der Weimarer Zeit (49-66); Josef Isensee: Die Zukunftsfähigkeit des deutschen Staatskirchenrechts – Gegenwärtige Legitimationsprobleme (67-90); Hermann E. J. Kalinna: Plädoyer für eine nüchterne Ökumene. Anmerkungen zur Entstehung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre des Lutherischen Weltbundes und des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen (91-114). II. Der säkulare Staat und die Religion: Walter Leisner: Geglaubtes Recht. Säkularisierte religiöse Grundlagen der Demokratie (115-128); Anton Ziegenaus: Kirchliche Feiertage in einem religiös neutralen Staat. Die anthropologische Bedeutung des Festes (129-142); Helmut Lecheler: Die wissenschaftliche Vorbildung der Geistlichen als Herausforderung an das deutsche staats-kirchen-rechtliche System (143-155); Josef Kremsmair: Der Öffentlichkeitsauftrag der Kirche (157-170); Bernhard Losch: Die Staatsauffassung Theodor Fontanes und seine Einstellung zur staatlichen Kirchenpolitik (171-198). III. Religions- und Gewissensfreiheit: Gerhard Robbers: Religionsfreiheit in Europa (201-214); Winfried Kluth: Das Grundrecht der Gewissensfreiheit und die allgemeine Geltung der Gesetze. Überlegungen zur situativen Normdurchbrechung (215-238); Stefan Muckel: Religionsfreiheit für Muslime in Deutschland (239-258); Matthias Jestaedt: Grundrechtsschutz vor staatlich aufgedrängter Ansicht. Das Kopftuch der Lehrerin als Exempel (259-298); Hartmut Maurer: Ein schweizerisches Kruzifix-Urteil (299-307); Hugo Schwendenwein: Das neue österreichische Gesetz über die religiösen Bekenntnisgemeinschaften (309-338); Péter Erdö: Religiöse Minderheiten im ungarischen Recht (339-345). IV. Religionsunterricht und Schule: Wolfgang Loschelder: Grenzen staatlicher Wertevermittlung in der Schule (349-366); Wilhelm Rees: Katholische Schule und Religionsunterricht als Verwirklichung von Religionsfreiheit. Kirchenrechtlicher Anspruch und staatliche Normierung (367-390); Christian Starck: Religionsunterricht in Brandenburg. Art. 141 GG als Ausnahme von der Regel des Art. 7 Abs. 3 GG (391-406); Richard Puza: Rechtsfragen um den Religionsunterricht und das brandenburgische Unterrichtsfach LER (407-427). V. Kirchenorganisation und Kirchendienst; VI. Kirchengut und Kirchensteuer: Dietrich Pirson: Kirchengut – Religionsfreiheit – Selbstbestimmung (611-622); Helmut Pree: Reichnisse – ein sterbendes Rechtsinstitut? (623-643); Manfred Baldus: Der Bergische Schulfonds: ehemaliges Jesuitenvermögen unter staatlicher Sonderverwaltung (645-664); Engelbert Niebler: St. Salvator und das Bundesverfassungsgericht. Bericht über eine staatskirchenrechtliche Entscheidung (665-677); Karl Eugen Schlief: Die Steuerreformen und die Kirchen. Kindergeld, Kinderfreibetrag und § 51 a EStG als Paradigma (679-697). VII. Konkordate und Kirchenverträge: Stephan Haering: Die Verträge zwischen dem Heiligen Stuhl und den neuen Bundesländern aus den Jahren 1994 bis 1998 (761-794). VIII. Kirchenrecht; IX. Recht und Moral: Clemens Breuer: Recht und Moral. Eine Auseinandersetzung zwischen Naturrecht und Rechtspositivismus (935-966); Otto Luchterhandt: Die "Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten" des InterAction Council und Art. 29 AEMR (967-1.002); Herbert Schambeck: Zur Demokratie in der Soziallehre Papst Johannes Pauls II. (1.003-1.021); Anton Rauscher: Das Grundgesetz in der Rechtskultur und Politik der Bundesrepublik Deutschland (1.023-1.032); Bernd Mathias Kremer: Der Junggeselle im Recht. Eine nicht so todernste juristische Studie (1.033-1.048). X. Wissenschaftliche Einrichtungen.
Barbara Zehnpfennnig (BZ)
Prof. Dr., Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 1.3 | 2.35 | 2.32 | 2.4
Empfohlene Zitierweise: Barbara Zehnpfennnig, Rezension zu: Josef Isensee / Wilhelm Rees / Wolfgang Rüfner (Hrsg.): Dem Staate, was des Staates - der Kirche, was der Kirche ist. Berlin: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11280-dem-staate-was-des-staates---der-kirche-was-der-kirche-ist_13361, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 13361
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Prof. Dr., Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
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