/ 20.06.2013
Christopher Andrew / Wassili Mitrochin
Das Schwarzbuch des KGB 2. Moskaus Geheimoperationen im Kalten Krieg. Aus dem Englischen von Heike Schlatterer, Enrico Heinemann und Norbert Juraschitz
Berlin: Propyläen Verlag 2005; 878 S.; geb., 26,- €; ISBN 978-3-549-07291-2Der KGB sei der Dreh- und Angelpunkt der monströsen Verfehlungen des sowjetischen Systems gewesen, schreibt Andrew, Professor für Geschichte in Cambridge. Der Geheimdienst habe die sowjetische Außenpolitik gegängelt und die politische Führung in ihren Fehleinschätzungen bestätigt. Im Ausland habe er eine zentrale Rolle bei schwersten Menschenrechtsverletzungen gespielt, ein „besonders unheilvoller Aspekt“ (689) sei die Unterstützung von Führern in Einparteienstaaten der Dritten Welt gewesen. Im Mittelpunkt dieses Bandes stehen die geheimen Operationen in Lateinamerika, im Nahen Osten, in Afrika und Asien, einschließlich der Hintergründe des Kriegs in Afghanistan. Wie im ersten Schwarzbuch (siehe ZPol 1/01: 425, ZPol-Nr. 12674) basiert die Darstellung auf Akten, die Mitrochin als leitender Archivar der Ersten Hauptverwaltung des KGB heimlich gesammelt hatte. Nach seiner Ausschleusung durch den britischen Geheimdienst 1992 stellte er sein Archiv dem Westen zur Verfügung. Die Originaldokumente unterliegen nun britischer Geheimhaltung. Da die Schwarzbücher mit ministerieller Genehmigung erscheinen, darf Andrew seine zufassende Aktenanalyse nicht immer belegen. Der Eindruck, den auch dieser zweite Band hinterlässt, wird dadurch nicht geschmälert. Die Darstellung ergänzt plausibel bekannte Ereignisse und erhellt die Hintergründe vieler Entwicklungen – und wie erfolglos der KGB war. So entpuppt sich das Bekenntnis Castros zur Sowjetunion nach der Niederschlagung des Prager Frühlings nicht als KGB-Erfolg, sondern als der eigenen Wirtschaftskrise. Sowjetische Hilfsmittel flossen dann allerdings auch in die Ausstattung eines Eiscafés. Aber auch große KGB-Offensiven in demokratischen Ländern endeten trotz einiger taktischer Erfolge in strategischen Niederlagen, wie das Beispiel Japan zeigt: Trotz aller Bemühungen des KGB hat das Land hat keinen für Moskau akzeptablen Friedensvertrag unterschrieben. Andrew macht abschließend darauf aufmerksam, dass die russische Spionage im Westen anscheinend wieder das gleiche Niveau wie im Kalten Krieg erreicht hat.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.22 | 2.62 | 2.65 | 2.63 | 2.68 | 2.67 | 2.25
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Christopher Andrew / Wassili Mitrochin: Das Schwarzbuch des KGB 2. Berlin: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25908-das-schwarzbuch-des-kgb-2_30121, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 30121
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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