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/ 18.06.2013
John R. McNeill

Blue Planet. Die Geschichte der Umwelt im 20. Jahrhundert. Aus dem Englischen von Frank Elstner. Mit einem Vorwort von Paul Kennedy

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2003; 496 S.; geb., 29,90 €; ISBN 3-593-37320-3
In den agrarisch geprägten Gesellschaften vor der Industrialisierung wurde die Natur im Großen und Ganzen als stabil wahrgenommen und erlebt. Im 20. Jahrhundert kann man dies nicht mehr so einfach annehmen. „Die menschliche Gattung hat die Beschränkungen und die relative Stabilität der alten ökonomischen, demographischen und energetischen Systeme zum Einsturz gebracht." (31) Angesichts all der Stoffe, die wir in die Atmosphäre emittieren oder in den Boden vergraben und in die Meere ablassen, beschleunigt sich der ökologische Wandel mehr und mehr. Wir wissen mittlerweile sicher, dass sich die Natur stark verändert, wir können nur noch nicht genau sagen, wie. Der Originaltitel des Buches beschreibt die Situation sehr viel anschaulicher als der etwas betuliche deutsche Titel: „Something New Under the Sun". Dieses Neue ist in vielen Einzelveröffentlichungen bereits thematisiert worden. An die Mammutaufgabe, das gesammelte Wissen in einer Geschichte der Umweltveränderungen im 20. Jahrhundert zusammenzutragen, hat sich bislang jedoch noch niemand gewagt. Die Aufgabe ist dem Professor für Geschichte an der School of Foreign Service der Georgetown University, McNeill, auf eindrucksvolle Art und Weise gelungen. Im ersten Teil beschreibt er detailliert, manchmal sogar mit einem Schuss Ironie, welche Veränderungen der Litosphäre und Pedosphäre (also der Erdkruste), der Atmosphäre, der Hydrosphäre und der Biosphäre durch den Menschen hervorgerufen wurden. Im zweiten Teil analysiert er dann die Triebkräfte dieses Wandels. Als wichtigste Gründe identifiziert er die geradezu explosionsartige Zunahme der Weltbevölkerung und das stetige wirtschaftliche Wachstum. Im Einzelnen untersucht er die weltweite Migration, den Trend zu größeren Städten, aber auch die Rolle der Technik. Aus politikwissenschaftlicher Sicht interessiert vor allem das Kapitel über die Wirkungen bzw. den Zusammenhang von Ideen und Politik. Trotz aller nachdenklich stimmenden Fakten, die McNeill zusammengetragen hat, neigt er jedoch keineswegs zur Schwarzseherei: Wenn die Situation grundsätzlich offen sei, so seine Grundstimmung, dann könne sie sich schließlich durchaus zum Positiven wenden.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.2614.45 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: John R. McNeill: Blue Planet. Frankfurt a. M./New York: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20369-blue-planet_23737, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 23737 Rezension drucken
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