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/ 11.06.2013
Friedrun Quaas

Soziale Marktwirtschaft. Wirklichkeit und Verfremdung eines Konzepts

Bern/Stuttgart/Wien: Verlag Paul Haupt 2000 (Beiträge zur Wirtschaftspolitik 74); 484 S.; ISBN 3-258-06012-6
Zur Frage der Reform der sozialen Marktwirtschaft stoßen zwei unterschiedliche Argumentationsmuster aufeinander: Auf der einen Seite wird die Freiheit des Marktes betont und "dem marktwirtschaftlichen Moment Priorität vor dem sozialen Moment eingeräumt" (14), auf der anderen Seite wird ein "sozialethisches Verständnis einer Marktwirtschaft" (15) formuliert, in dem das soziale Moment neben dem ökonomischen mindestens gleichberechtigt sein soll. Quaas, Privatdozentin im Fach Volkswirtschaftslehre ...
Friedrun Quaas

Soziale Marktwirtschaft. Wirklichkeit und Verfremdung eines Konzepts

Bern/Stuttgart/Wien: Verlag Paul Haupt 2000 (Beiträge zur Wirtschaftspolitik 74); 484 S.; geb., 49,- DM; ISBN 3-258-06012-6
Zur Frage der Reform der sozialen Marktwirtschaft stoßen zwei unterschiedliche Argumentationsmuster aufeinander: Auf der einen Seite wird die Freiheit des Marktes betont und "dem marktwirtschaftlichen Moment Priorität vor dem sozialen Moment eingeräumt" (14), auf der anderen Seite wird ein "sozialethisches Verständnis einer Marktwirtschaft" (15) formuliert, in dem das soziale Moment neben dem ökonomischen mindestens gleichberechtigt sein soll. Quaas, Privatdozentin im Fach Volkswirtschaftslehre an der Universität Leipzig, will das Verhältnis von Freiheit und Gerechtigkeit in der sozialen Marktwirtschaft klären, wobei sie sich in ihrer Analyse vor allem auf die Vorstellungen von Alfred Müller-Armack stützt. Der erste Teil der Arbeit widmet sich der Geschichte und den Grundgedanken der sozialen Marktwirtschaft; der zweite Teil analysiert das Verständnis von Freiheit im Liberalismus von der Aufklärung über John Stuart Mill bis zum Ordoliberalismus der Freiburger Schule; der dritte Teil schließlich untersucht das Verständnis des Menschen und der sozialen Gerechtigkeit im Konzept der sozialen Marktwirtschaft. Im Ergebnis plädiert die Autorin dafür, neben der Freiheit den sozialen Ausgleich zwischen den Gesellschaftsmitgliedern als "gleichberechtigtes Gestaltungsmoment der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik" (430) zu begreifen, das auf die Achtung der Würde der Person zielt. Das Buch gibt einen klaren und fundierten Einblick in den Stellenwert der konkurrierenden Prinzipien Freiheit und soziale Gerechtigkeit im Konzept der sozialen Marktwirtschaft und leistet damit einen wertvollen Beitrag zum besseren Verständnis des Konzepts. Offen bleibt jedoch, inwieweit mit der Forderung nach Gleichberechtigung der beiden Prinzipien ein Ansatz für die Lösung von Konflikten zwischen ihnen gefunden ist.
Hendrik Hansen (HH)
Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 2.35.42 Empfohlene Zitierweise: Hendrik Hansen, Rezension zu: Friedrun Quaas: Soziale Marktwirtschaft. Bern/Stuttgart/Wien: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13109-soziale-marktwirtschaft_15703, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 15703 Rezension drucken
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