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/ 12.06.2013
Brigitte Hamann

Hitlers Wien. Lehrjahre eines Diktators

München/Zürich: Piper 2001; 652 S.; kart., 10,23 €; ISBN 3-492-23240-X
Dass Hitler persönlich wie politisch durch seine sechs Jahre in der österreichischen Hauptstadt geprägt wurde, ist unverrückbare Basis der Hitler-Forschung. Umso bemerkenswerter ist es, dass sich bislang niemand die Mühe machte zu untersuchen, was denn Wien sozial- wie kulturgeschichtlich vor dem Ersten Weltkrieg darstellte, dass es Hitler derart nachhaltig beeinflussen konnte. Hamann zeigt in ihrer beeindruckenden, detaillierten Studie, dass der gescheiterte Kunstmaler allenfalls ein arbeitssch...
Brigitte Hamann

Hitlers Wien. Lehrjahre eines Diktators

München/Zürich: Piper 2001; 652 S.; kart., 10,23 €; ISBN 3-492-23240-X
Dass Hitler persönlich wie politisch durch seine sechs Jahre in der österreichischen Hauptstadt geprägt wurde, ist unverrückbare Basis der Hitler-Forschung. Umso bemerkenswerter ist es, dass sich bislang niemand die Mühe machte zu untersuchen, was denn Wien sozial- wie kulturgeschichtlich vor dem Ersten Weltkrieg darstellte, dass es Hitler derart nachhaltig beeinflussen konnte. Hamann zeigt in ihrer beeindruckenden, detaillierten Studie, dass der gescheiterte Kunstmaler allenfalls ein arbeitsscheuer Sonderling war, mit dem Hang nach diffuser politischer Bildung, aber wohl kaum Mittelpunkt eines politischen Kreises werden konnte. Seine Mitbewohner aus dem Wiener Männerheim sind jedenfalls nach 1919 sehr erstaunt, dass ihr als unflexibel und verklemmt bekannter Kamerad, der noch dazu Angst vor Frauen hatte, in Deutschland politische Karriere macht, wollte er doch eigentlich Architekt werden. Mit Wien hat sich Hitler niemals anfreunden können, aber sein politisches Rüstzeug fand er hier, vor allem seinen fundamentalistischen Antisemitismus. Hitler war in Wien immer nur Zuschauer, eine Art Sammler politischer Ideen. Als er 1913 nach München übersiedelte, ist er eine Art Pseudointellektueller, der seine Umgebung mit Einzelwissen zu beeindrucken weiß, weniger durch eine kompakte Bildung. Aus Wien nimmt er mit den "Heil"-Gruß der Schönerianer, das Hakenkreuzsymbol der List-Jünger, den Germanenkult. Hamanns Fazit lautet: "Die im Wiener Fin de siècle so belächelten wirren Ideen deutschvölkischer Sektierer verbanden sich 30 Jahre später im krisengeschüttelten Deutschland mit politischer Macht und wurden zur gefährlich Munition, die Unheil über die Welt brachte." (579) Inhaltsübersicht: 1. Aus der Provinz in die Hauptstadt; 2. Das Wien der Moderne; 3. Die Kaiserstadt; 4. Im Parlament; 5. Die soziale Frage; 6. Als Maler im Männerheim; 7. Rassentheoretiker und Welterklärer; 8. Politische Leitbilder; 9. Tschechen in Wien; 10. Juden in Wien; 11. Der junge Hitler und die Frauen; 12. Vor dem großen Krieg.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.3122.3112.4 Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Brigitte Hamann: Hitlers Wien. München/Zürich: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13388-hitlers-wien_16046, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 16046 Rezension drucken
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