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/ 12.06.2013
Michael Lemke

Einheit oder Sozialismus? Die Deutschlandpolitik der SED 1949-1961

Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag 2001 (Zeithistorische Studien 17); 546 S.; geb., 51,02 €; ISBN 3-412-14200-X
Mit der Grundthese seiner Arbeit grenzt sich der Autor, Mitarbeiter am Zentrum für Zeithistorische Forschung der Universität Potsdam, deutlich von der bislang vorherrschenden Meinung bezüglich der Deutschlandpolitik der SED ab. Dominierte bislang eine Sicht in der Forschung, die die DDR in der Frage ihrer Deutschlandpolitik als von der sowjetischen Führung abhängig und daher nicht souverän einschätzt, betont Lemke trotz der Anerkennung aller existierenden Beschränkungen eher die Möglichkeit der ...
Michael Lemke

Einheit oder Sozialismus? Die Deutschlandpolitik der SED 1949-1961

Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag 2001 (Zeithistorische Studien 17); 546 S.; geb., 51,02 €; ISBN 3-412-14200-X
Mit der Grundthese seiner Arbeit grenzt sich der Autor, Mitarbeiter am Zentrum für Zeithistorische Forschung der Universität Potsdam, deutlich von der bislang vorherrschenden Meinung bezüglich der Deutschlandpolitik der SED ab. Dominierte bislang eine Sicht in der Forschung, die die DDR in der Frage ihrer Deutschlandpolitik als von der sowjetischen Führung abhängig und daher nicht souverän einschätzt, betont Lemke trotz der Anerkennung aller existierenden Beschränkungen eher die Möglichkeit der relativ eigenständigen Politikgestaltung Ost-Berlins in diesem Bereich. Denn zum einen habe die SED durchaus deutschlandpolitische Interessen besessen, die mit denen der UdSSR und der anderen realsozialistischen Staaten nicht immer identisch waren. Zum anderen, so der Autor, beschäftigte sich die SED nach 1949 mit Konzepten und Planungen zur Wiederherstellung der Einheit Deutschlands, die keineswegs nur eine propagandistische Antwort auf die deutsche und internationale Systemauseinandersetzung waren, sondern Anleitung zum interessengeleiteten gesamtdeutschen Handeln. Mehrere Gründe für diese These der begrenzten Eigenständigkeit führt Lemke an: Zum einen habe sich die SED auf Strukturen und Apparate gestützt, die zumindest formal die Voraussetzung für eine Realisierung spezifischer deutschlandpolitischer Aufgaben schufen; zum zweiten instrumentalisierte die DDR die Deutschlandfrage innenpolitisch, indem sie sie dazu nutzte, die eigene Macht zu rechtfertigen und die DDR innenpolitisch zu stabilisieren. Zum dritten sieht Lemke die SED auch außenpolitisch nicht länger nur als das Instrument sowjetischer Deutschlandpolitik. So hält er es für offensichtlich, "daß sich die operativen deutschlandpolitischen Handlungsspielräume für die SED und deren damit verbundene gestalterische Eigenständigkeit nach 1956 in der Tendenz vergrößerten" (13). Inhaltsübersicht: 1. Die Gründung der DDR im Spannungsfeld von Kaltem Krieg und deutschem Sonderkonflikt; 2. Aufbau und Organisation der Westarbeit im ersten Jahrzehnt nach der Gründung der DDR; 3. Die "Illusionsphase" der SED-Deutschlandpolitik vom Herbst 1949 bis Mitte 1951; 4. Die "nationale" Politik der SED und die Veränderung der sowjetischen Deutschlandkonzeption im Herbst 1951; 5. Die Stalin-Noten des Jahres 1952. Chance für die UdSSR - Risiko für die SED?; 6. Das Jahr 1953. Retardierendes Moment im deutschlandpolitischen Drama?; 7. Die Deutschlandpolitik der SED in der Latenzphase - Mitte 1953 bis Mitte 1955; 8. Zwischen Zwei-Staaten-Theorie und XX. Parteitag der KPdSU - Mitte 1955 bis Ende 1957; 9. Zwischen Stabilitätsillusionen und Systemkrise: Die Jahre 1958 bis 1961; 10. Die Westarbeit der SED in der Krise.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 2.3144.21 Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Michael Lemke: Einheit oder Sozialismus? Köln/Weimar/Wien: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14034-einheit-oder-sozialismus_16813, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 16813 Rezension drucken
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