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Doppelrezension

Jahrbuch „Extremismus & Demokratie" 2019 und 2020
Bewährtes Forum der vergleichenden Extremismusforschung

Eine Doppelrezension von Thomas Mirbach

Rezensent ThomFoto: Gerd Altmann / PixabayFoto: Gerd Altmann / Pixabayas Mirbach widmet sich zwei Ausgaben des von Uwe Backes und Eckhard Jesse gegründeten Jahrbuches. Für den Band des Jahres 2019 werde angesichts des Inkrafttretens der Weimarer Reichsverfassung ein vergleichender Blick auf die erste und zweite deutsche Demokratie geworfen und gefragt, inwieweit Strukturschwächen der Verfassung zum Zusammenbruch der Republik geführt haben. Bei den Analysen des Bandes für das Jahr 2020 dominierten Partialstudien, wie etwa zum Islamistischen Staat und dessen Legitimationsanspruch oder zur Sammlungsbewegung #aufstehen. In den Beiträgen der Rubrik „Daten, Dokumente, Dossiers“ würden relevante Ereignisse des aktuellen Geschehens zum Themenbereich abgebildet, beispielsweise die Wahlen und Organisationen. Mirbach gelangt zu dem Resümee, dass die Jahrbücher ein zwiespältiges Bild hinterlassen. Zwar stellten sie ein bewährtes Forum dar für jene, die sich aus der Perspektive der vergleichenden Extremismusforschung mit dem Thema beschäftigen und über einschlägige Entwicklungen und neuere Publikationen informiert werden wollen. Doch sollten sich laut Rezensent die Jahrbücher stärker für neuere sozialwissenschaftliche Konzepte öffnen und auch rassismuskritische Analyseansätze berücksichtigen. Außerdem empfiehlt er, dem zweiten Gegenstandsbereich (Varianten von Demokratietheorien und -analysen) mehr Aufmerksamkeit zu schenken. (ste)

 

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Rezension

Anne Applebaum

Die Verlockung des Autoritären
Warum antidemokratische Herrschaft so populär geworden ist


Eine Rezension von Tamara Ehs

In „Die Verlockung des Autoritären“ zeichne Anne Applebaum im journalistischen Stil nach, wie sich Angehörige konservativer Bildungseliten früherer Mitte-rechts-Parteien ins Autoritäre gewandelt haben, so Rezensentin Tamara Ehs. Da die Autorin persönlichen Zugang zu diesen Kreisen habe, erlebten die Leser*innen über private Erzählungen die Polarisierung und Radikalisierung der konservativen Eliten mit und erhielten Einblick in deren persönliche Verbindungen. Entstanden sei ein persönliches Zeitdokument, aber kein politikwissenschaftliches Buch, so Ehs.

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Thema: Donald Trump und die Polarisierten Staaten von Amerika / Rezension

Evan Osnos

Joe Biden
Ein Porträt

Eine Rezension von Frank Kaltofen
 
Der Journalist Evan Osnos begleitete Joe Bidens politische Karriere Joe Biden Osnos Suhrkampseit mehreren Jahren und so stütze sich dieses Porträt nicht nur auf eine Serie von Artikeln, die im Magazin „The New Yorker“ erschienen sind, sondern auch auf Interviews mit Biden, Weggefährten und Akteuren aus der Washingtoner Politik, so Rezensent Frank Kaltofen. Osnos betone, dass er keine Biografie des 46. amerikanischen Präsidenten, sondern ein Porträt Bidens präsentiere. Dabei rekonstruiere er knapp dessen Werdegang und formuliere Thesen zu prägenden Bedingungen und Momenten des Menschen und Politikers. Dazu zähle etwa eine gewisse Dünnhäutigkeit und „große Angst vor Bloßstellung“, da er anders als die Mehrzahl früherer Präsidentschaftskandidaten „keine Eliteuniversität der Ivy League besucht“ habe. Die Leser*innen erfahren einiges über die innenpolitischen sowie innerparteilichen Debatten auf dem Weg zur Präsidentschaft Bidens. Laut Kaltofen zeichne dieses Buch auch ein Porträt der zeitgenössischen USA – ein fragmentiertes allerdings, das stellenweise einen klaren roten Faden vermissen lasse. Allerdings sei es oft anekdotenhaft gestrickt und etwas willkürlich in der Auswahl von Begebenheiten, die ein Argument untermauern sollten, mitunter aber dann eher „neben“ dem Argumentationsstrang stünden, so der Rezensent. Als kompakte, informative Heranführung an Persönlichkeit und Werdegang des 46. US-Präsidenten sei das Porträt jedoch lesenswert, resümiert Kaltofen. (ste)

Rezension

Florian Grotz / Wolfgang Schroeder

Das politische System der Bundesrepublik Deutschland
Eine Einführung

Eine Rezension von Michael Kolkmann

Mit ihrer neuen Einführung haben Florian Grotz und Wolfgang Schroeder aus Sicht von Rezensent Michael Kolkmann einen „unverzichtbaren Begleiter“ für alle vorgelegt, die sich mit dem politischen System der Bundesrepublik befassen. Dank eines umfangreichen Literaturverzeichnisses sei nicht nur ein profundes Nachschlagewerk entstanden, vielmehr setze das Buch auch Akzente, die es von ähnlichen Einführungen abgrenzten: Hier sind u. a. ein konsistenter Analyserahmen, eine institutionen- und akteursbezogene Perspektive und die Diskussion einzelner Elemente vor dem Hintergrund eines politischen Mehrebenensystems zu nennen. (lz)

 


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Die Annotierte Bibliografie


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BTW-Schwerpunkt: Gespaltene Gesellschaft / Rezension

Peggy Matauschek

Wahlsystemreform in Deutschland
Plädoyer für ein Prämienwahlsystem mit Koalitionsbonus

Eine Rezension von Daniel Hellmann

Peggy Matauschek diskutiert Vorschläge für eine grundlegende Reform des Bundestagswahlrechts und plädiert für seine Weiterentwicklung hin zu einem Mehrheitswahlsystem. Aus Sicht des Rezensenten Daniel Hellmann blickt Matauschek dadurch aus einer „selten eigenommenen Perspektive“ auf die Wahlrechtsreform. Gänzlich überzeugt ist er aber nicht: Immerhin basierten Matauscheks Vorschläge auf der Überzeugung, dass das geltende Wahlrecht keine hinreichende Konzentrationsleistung erbringe und damit die Regierungsbildung entscheidend beeinträchtige. Diese Ansicht werde aber nur von wenigen Forschenden vertreten. (lz)

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