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SIRIUS: Analyse

SIRIUS 2017 1 whats next geralt pixabay

Strategic Foresight
Die Zukunft antizipieren

Das Instrument der Vorausschau innerhalb der strategischen Studien soll dazu dienen, adäquate Antworten auf Risiken und Gefahren des friedlichen Zusammenlebens zu finden. Das übergreifende Ziel ist die Entwicklung einer Strategie unter Berücksichtigung vorhandener Ressourcen, um diesen Gefahren und Risiken angemessen zu begegnen beziehungsweise diese zu minimieren. Hierzu sind die folgenden zwei Schritte erforderlich: erstens die Identifikation von Risiken und Gefahren sowie zweitens die Ableitung zielführender Handlungsoptionen, die von einer öffentlichen Debatte über mögliche Risiken und Gefahren bis hin zur Ergreifung konkreter Vorsorgemaßnahmen reichen können. Dieser Artikel bezieht sich auf methodische Probleme sowohl in Bezug auf die Erstellung von Vorausschauen als auch in Bezug auf die Ableitung von Handlungsoptionen. Abschließend wird das Für und Wider strategischer Vorausschau diskutiert und ihre Anwendbarkeit erörtert.

Sirius Cover Heft 1 2017Die strategische Vorausschau ist ein mehrstufiger Prozess. Zu Beginn steht die Formulierung der Ziele und der thematische Fokus. Die Qualität strategischer Vorausschauen hängt maßgeblich von einer guten Datengrundlage ab. Das Sammeln von Informationen zum betrachteten Problemfeld muss daher dem Prozess der Erstellung strategischer Vorausschauen vorangestellt sein. Im nächsten Schritt erfolgt die eigentliche Vorausschau, also die Beschreibung verschiedener Zukunftsbilder. Ähnlich wie die Zukunftsforschung bezieht sich die strategische Vorausschau auf längerfristige Vorhersagen, die in der Regel mindestens die nächsten zehn Jahre umfassen, und verwendet daher ähnliche Methoden zur Generierung von Zukunftsbildern und zur Ableitung von Gefahren und Risiken wie diese. Oftmals sind diese Methoden expertenbasiert und beziehen nicht-formalisierte Ansätze wie Experteneinschätzungen und formalisierte Ansätze wie Delphi-Befragungen und Szenarios mit ein. Zum Teil werden auch Modellierungen beziehungsweise Simulationen unter Verwendung von System Dynamics und agentenbasierter Modellierung angewandt. Vielfach unterstützen quantitative Methoden die Generierung von Zukunftsbildern, etwa indem Indikatoren mithilfe von Methoden der Zeitreihenanalyse in die Zukunft extrapoliert werden. Insbesondere Szenariomethoden kommt im Rahmen der strategischen Vorausschau große Bedeutung zu, dem soll daher in diesem Artikel vornehmlich Rechnung getragen werden.

Foresight oder Vorausschau ist insofern von der Zukunftsforschung abgegrenzt, als es den Planungsaspekt miteinbezieht. Bei der Ableitung von Handlungsoptionen wiederum muss eine Priorisierung der Aspekte der Zukunft erfolgen, die für die Entwicklung einer Strategie relevant sind. Oftmals sind diese beiden Aspekte miteinander verwoben, indem bereits bei der Erstellung von Zukunftsbildern ein bestimmter thematischer, geografischer und zeitlicher Fokus gewählt wird. Im Rahmen der Szenarioanalyse kann dies beispielsweise über die Definition von Schlüsselfaktoren erfolgen. Abschließend muss die ausgearbeitete Strategie implementiert werden. Abbildung 1 bietet einen Überblick über den Prozess der strategischen Vorausschau.

Die folgenden Ausführungen befassen sich im Schwerpunkt mit den Herausforderungen in Bezug auf die Erstellung von Vorausschauen sowie mit der Ableitung von Handlungsempfehlungen, im Schaubild dargestellt unter Punkt drei bis fünf. Hierzu werden in Abschnitt 2 zunächst Anforderungen herausgearbeitet, die die Methoden erfüllen sollten, um eine systematische Vorausschau zu ermöglichen. Daran anschließend erfolgt eine Übersicht über Methoden der strategischen Vorausschau. Ein Fokus liegt hierbei auf Szenariomethoden. Mit diesen werden zukünftige Situationen sowie Ereignissequenzen, die den Übergang vom jetzigen zum zukünftigen Zustand definieren, beschrieben. Bei der Erstellung von Szenarios erfolgt in einzelnen Arbeitsschritten ein Rückgriff auf expertenbasierte oder quantitative Methoden, sei es zur Schaffung einer geeigneten Datengrundlage, zur Identifikation von Schlüsselfaktoren, zur Bewertung von Eintrittswahrscheinlichkeiten oder letztendlich zur Ausarbeitung von Handlungsoptionen.
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Der vollständige Beitrag ist erschienen in SIRIUS – Zeitschrift für Strategische Analysen, Heft 1 / 2017: https://www.degruyter.com/view/j/sirius.2017.1.issue-1/issue-files/sirius.2017.1.issue-1.xml

Direkter Link zum Beitrag: https://www.degruyter.com/downloadpdf/j/sirius.2017.1.issue-1/sirius-2017-0004/sirius-2017-0004.pdf

Verfasst von:

Philipp Klüfers

Carlo Masala

Tim Tepel

Konstantinos Tsetsos

Erschienen am:

28. März 2017

SIRIUS: Literaturbericht

Prospektive Politikberatung

Norbert Reez stellt die fünfte Veröffentlichung der Stiftung Wissenschaft und Politik mit Foresight-Beiträgen vor und zeigt an diesem Beispiel, wie sich die strategische Vorausschau in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Annahmen auf der Grundlage statistischer Wahrscheinlichkeiten seien in den Hintergrund getreten, der Blick richte sich vermehrt auf unwahrscheinliche Ereignisse, wobei auch alternative und kreative Methoden der Entscheidungsvorbereitung stärker berücksichtigt würden. Es wäre wünschenswert, so der Autor, wenn künftig davon die Planung deutlicher abgegrenzt werde.
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