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Peter Olivet

Zur Frage der Neubildung einer deutschen Identität im 21. Jahrhundert. Deutschland nach Krieg und Wiedervereinigung

Berlin: Duncker & Humblot 2012; 117 S.; brosch., 24,- €; ISBN 978-3-428-13819-7
Wie im Geleitwort von Max Maginot nachzulesen ist, sprach er als Oberstleutnant vier Tage nach der deutschen Kapitulation 1945 mit Generalfeldmarschall Schörner über die Zukunft Deutschlands. Er, Maginot, habe gefragt, ob die Vorhersage seines Gesprächspartners stimmen könne, „dass unsere Kinder nunmehr keine Zukunft mehr hätten“ (9). Diese im Kontext von 1945 gestellte Frage dient Peter Olivet in seinem Buch gleichsam als Hintergrundfolie, wenn er nach den bisherigen Inhalten europäischer Identitäten und der Möglichkeit eines neuen deutschen Selbstverständnisses fragt. Der aus einer deutsch-französischen Offiziers- und Juristenfamilie stammende Autor unternimmt diese Überlegungen zur deutschen Identität, weil „ihm als Deutschem die verfassungsrechtliche Verankerung des heutigen deutschen Staates in Menschenwürde und Menschenrechten am Herzen liegt und insbesondere die Anbindung dieser rechtlichen Prinzipien an die Philosophie des deutschen Idealismus“ (14) als wichtig erscheint. Die Ausführungen Olivets rekapitulieren zum einen detailliert die in der deutschen Vergangenheit wichtigen Entwicklungen (vor allem das Ende des Ersten Weltkrieges und Hitlers schrittweise Ermächtigung) unter besonderer Berücksichtigung rechtlicher und militärstrategischer Aspekte. Olivet stellt fest, dass der Deutsche „im Grunde so ist wie die andern. Die Eigenmächtigkeiten und Anomalitäten bei Kriegsende und bei Kriegsverlauf sind Zufälle, die bestimmten historischen Einzelpersonen zuzurechnen sind, nicht seinem Charakter“ (47). Hiervon ausgehend unternimmt Olivet zum anderen den Versuch, eine Identität zu entwerfen, die an eine „kategoriale[…] Geisteshaltung“ (47) anknüpft und Elemente u. a. von Hegel und Kant enthält. „Auf der Basis der historisch gewachsenen Verwurzelung, der alten deutschen Identität, muss eine neue Identität in einer neu gebildeten Einheit gefunden werden. Und das ist nach Lage der Dinge die, teilweise im eigenen Bereich und darüber hinaus in der europäischen Umgebung befindliche, Gemeinschaft Europas. Dies ist eine sowohl vom alten herkommende, also alte Identität als auch eine neue Identität, die in der heutigen Reflexion anerkannt wird“ (114).
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.3 | 2.35 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Peter Olivet: Zur Frage der Neubildung einer deutschen Identität im 21. Jahrhundert. Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35545-zur-frage-der-neubildung-einer-deutschen-identitaet-im-21-jahrhundert_42883, veröffentlicht am 03.01.2013. Buch-Nr.: 42883 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken