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Richard A. Clarke / Robert K. Knake

World Wide War. Angriff aus dem Internet. Deutsch von Heike Schlatterer und Stephan Gebauer

Hamburg: Hoffmann und Campe 2011; 351 S.; 22,- €; ISBN 978-3-455-50186-5
Unter dem Schlagwort „Cyberwar“ werden in Politik und Medien immer mal wieder Fälle elektronischer Spionage oder staatlich unterstützter Hackerangriffe thematisiert. Lange als interessantes Kuriosum betrachtet, setzt sich allmählich die Erkenntnis durch, dass diese Form der Kriegsführung äußerst bedrohlich für stark vernetzte Gesellschaften ist. Mit Koautor Knake liefert Clarke, einer der wichtigsten US-Sicherheitsberater, eine Fülle von Beispielen und Argumenten, die die tatsächliche Brisanz des Themas erahnen lassen. Wer sind die Cyberkrieger? Welche Waffen setzen sie ein? Schon in den ersten Kapiteln zeigen die Autoren, dass ein Netzkrieg nicht nur ökonomisch verheerend wäre, sondern schnell auch Tausende das Leben kosten kann – etwa wenn gezielt Chemiefabriken, Kraftwerke oder die Flugsicherung sabotiert werden. Längst hätten China, Russland und die USA logische Bomben in Stromnetzen und anderen sensiblen Infrastrukturen vieler Länder versteckt. Gerade weil dabei unbekannte Sicherheitslücken genutzt würden, werde die Gefahr weiterhin systematisch unterschätzt. Clarke und Knake beschreiben aber nicht nur die neue Bedrohung – sie fragen sich auch, wie mit ihr umzugehen sei. Analog zu nuklearstrategischen Fragen des Kalten Krieges erörtern sie die Möglichkeiten von Verboten oder Rüstungskontrollen. Ein Problem dabei: „Spionage und Sabotage sind nur ein paar Mausklicks voneinander entfernt.“ (293) Auch Abschreckung funktioniere naturgemäß nicht bei verdeckten Aktionen. Immerhin ließen sich bestimmte Angriffsformen oder Attacken auf zivile Infrastrukturen verbieten. Aufschlussreich sind auch die Abschnitte, in denen es um Verteidigungsmaßnahmen geht. Eine Entkopplung kritischer Netze vom Internet sei zwar wichtig – nachhaltigen Schutz biete aber selbst das nicht. Am Beispiel der sogenannten Deep Packet Inspektion, wie sie China betreibt, zeigen sie, dass das Internet selbst sicherer gemacht werden kann, ohne dass dabei zwangsläufig der Zensur Tür und Tor geöffnet werden. Wegen seines Kenntnisreichtums und der gelungenen Übersetzung empfiehlt sich das Buch auch deutschen Lesern. Ihnen sollte zu denken geben, dass selbst die technologisch führende Nation letztlich als äußerst verwundbar eingeschätzt wird.
Dirk Burmester (DB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
Rubrizierung: 4.1 | 4.2 | 2.64 Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Richard A. Clarke / Robert K. Knake: World Wide War. Hamburg: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/33875-world-wide-war_40591, veröffentlicht am 01.06.2011. Buch-Nr.: 40591 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken