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Alfons Bora / Anna Henkel / Carsten Reinhardt (Hrsg.)

Wissensregulierung und Regulierungswissen

Weilerswist: Velbrück Wissenschaft 2014; 271 S.; geb., 29,90 €; ISBN 978-3-942393-59-1
Allerorten heißt es, moderne Gesellschaft sei Wissensgesellschaft, deren internationale Wettbewerbsfähigkeit vom Fortschritt der Wissensproduktion abhänge. Zu dieser gesellschaftlichen Selbstbeschreibung gehören zwei Prämissen: Zum einen gilt das neue Wissen als anwendungsorientiert und soll Innovationen erlauben; zum anderen ist erweitertes Wissen stets mit gesellschaftlichen Risiken verbunden. Vor diesem Hintergrund geht es in diesem Sammelband um die Frage, wie die moderne Gesellschaft mit dieser wissensbedingten Ambivalenz von Innovation und Risiko umgeht. Alle Regulierungsversuche – dieser Zirkel wird in etlichen Beiträgen hervorgehoben – müssen immer schon auf Bestände des Wissens zurückgreifen, das eigentlich Gegenstand der Regulierung sein soll. Angesichts dieser Paradoxie erscheint die Absicht plausibel, „Wissenschaftsforschung auch als Gesellschaftstheorie zu betreiben“ (9). So wird der Regulierungsbegriff unter zwei unterschiedlichen konzeptionellen Bezügen diskutiert. Auf der einen Seite stehen governancetheoretische Analysen von Möglichkeiten politisch‑rechtlicher Steuerung, auf der anderen Seite wird – an Foucault und Luhmann anschließend – Regulierung eher als Modus gesellschaftlicher Selbststeuerung verstanden. Aus diesen beiden Perspektiven ergibt sich der Aufbau des Bandes. Im ersten Teil geht es um Wirkungsweisen politischer Einflussformen auf wissenschaftliche Institutionen – die am New Public Management ausgerichtete Hochschulsteuerung und unterschiedliche Typen der Forschungsevaluation sind hier die Themen. Der zweite Teil behandelt Formen der Wissensregulierung durch die Einbindung wissenschaftlichen Wissens selbst. Diskutiert werden konkrete Regelungsbereiche (Europäische Chemikalienverordnung), Konstruktionsprinzipien von Verhandlungssystemen und wissenschaftstheoretische Unterscheidungen von Expertisearten nach epistemischen und pragmatischen Kriterien. Die Beiträge des dritten Teils sind dem Verhältnis von Wissen, Regulierung und Gesellschaft unter eher zeitdiagnostischen Intentionen gewidmet; auf besonderes politikwissenschaftliches Interesse dürften die Diskussionen der Bankenregulierung und der Relevanz von institutionellen Arrangements stoßen.
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Rubrizierung: 5.22.212.263 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Alfons Bora / Anna Henkel / Carsten Reinhardt (Hrsg.): Wissensregulierung und Regulierungswissen Weilerswist: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38709-wissensregulierung-und-regulierungswissen_46747, veröffentlicht am 06.08.2015. Buch-Nr.: 46747 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken