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Bernd-Olaf Küppers

Wissen statt Moral. Fünf Thesen zur Wissensgesellschaft

Köln: Fackelträger 2010; 189 S.; geb., 19,95 €; ISBN 978-3-7716-4420-8
Der Autor, Professor für Naturphilosophie in Jena, konstatiert eine „tiefe intellektuelle Krise unserer Gesellschaft, die mit dem wissenschaftlich-technischen Fortschritt nicht mehr Schritt zu halten vermag“ (8). Die Gesellschaft sei in ideologischen und religiösen Denkmustern verfangen. Küppers ist der Überzeugung, dass eine Wissensgesellschaft nur erreicht werden könne, wenn Moral dem Wissen stets nachgeordnet werde und der Kontrolle durch das Wissen unterliege. Der Autor konstatiert rigoros: „Es gibt keine absoluten Normen moralisch richtigen Verhaltens“ (91). Er argumentiert mit Niklas Luhmann, dass Grundwerte einer humanistischen Moral wie Freiheit, Würde oder Gerechtigkeit Ideale seien, die zwar eine regulative Funktion besäßen, aber keinen Wert an sich, „kein eigenes Sein“ hätten. Küppers gibt sich in seiner Argumentation als Strukturalist zu erkennen. Eine metaphysische Moral habe keine „echte Bindung an die Wirklichkeit“ und müsse „zwangläufig in einen moralischen Dogmatismus verfallen“ (95). Inwieweit er dem Menschen und auch der Wirklichkeit durch diesen schematischen Rigorismus gerecht wird, darf fraglich bleiben. Der Autor fordert Relativismus und Skeptizismus, nur so sei Fortschritt möglich. Doch die zentrale Frage, wo die Grenze eines Anything-goes liegen mag, bleibt offen. Moral als „Volksdroge“ sei schon immer ein Mittel gewesen, „um Menschen für Machtinteressen gefügig zu machen“ (87), wie man an den Religionen sehen könne. In eben diesem Sinne bediene sich auch die Politik der Moral als Herrschaftsinstrument. Absolute Forschungsfreiheit müsse die conditio sine qua non einer Wissensgesellschaft sein, deren Feind wiederum zeige sich in der „Politisierung und Ökonomisierung der Wissenskultur“ (153). Als Beispiel nennt der Autor die Lissabon-Strategie des Europäischen Rats. Aber auch die Wissenschaft bediene sich der Politik. Indem die Klimawissenschaft anhand der „Unberechenbarkeit von Computerexperimenten“ (75) argumentiere und derart Forschungsgelder einstreiche, gerate sie in eine „unkritische Nähe zur Politik“ (77).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.42 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Bernd-Olaf Küppers: Wissen statt Moral. Köln: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32815-wissen-statt-moral_39192, veröffentlicht am 11.01.2011. Buch-Nr.: 39192 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken