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Christian Bommarius

Wir kriminellen Deutschen

Berlin: Siedler Verlag 2004; 128 S.; Ln., 16,- €; ISBN 3-88680-806-8
Annähernd jeder sei bereits straffällig geworden, meint Bommarius, z. B. durch Schwarzfahren, Versicherungsbetrug, Schwarzarbeit, Korruption oder Steuerhinterziehung. Kriminelles Verhalten sei eine Art Volkssport geworden, den der Staat durch die Ausgestaltung der Strafverfolgung indirekt unterstütze: Personalmangel, Etatkürzungen und unzureichende Ausstattung machten es kaum möglich, Recht und Gesetz tatsächlich durchzusetzen. Abgesehen davon werde der größte Teil der Straftaten nicht als solche erkannt. Auch hierzu trage der Staat bei. Da beispielsweise zur Ausstellung des Totenscheins nicht ausschließlich spezialisierte Experten, sondern jeder zugelassene Arzt berechtigt sei, würden viele Morde überhaupt nicht entdeckt. Wie das Problem zu lösen ist, verrät Bommarius allerdings nicht. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass er kriminelles Verhalten als letztlich hinzunehmenden Normalfall betrachtet. Deutlich wird jedoch, dass er eine weit reichende Überwachung der Bürger im Zeichen der Prävention ablehnt. Politologisch relevante Fragestellungen verfolgt Bommarius nicht. Sein Buch ist eher geeignet, die Sensationslust zu befriedigen als die Problematik tatsächlich zu erhellen.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.35 Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Christian Bommarius: Wir kriminellen Deutschen Berlin: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/14662-wir-kriminellen-deutschen_24392, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 24392 Rezension drucken