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Dieter Ruloff

Wie Kriege beginnen. Ursachen und Folgen

München: C. H. Beck 2004 (Beck'sche Reihe 294); 216 S.; 3., völlig neu bearb. Aufl.; 12,90 €; ISBN 3-406-51084-1
Bei diesem Band handelt es sich um eine neu bearbeitete Fassung der 1985 erstmals unter gleichem Titel veröffentlichten Untersuchung. Die Absicht des Verfassers war es damals, eine systematische „Phänomenologie des Kriegsbeginns" (5) vorzulegen. Die Neufassung reflektiert zum einen die durch das Ende der Blockkonfrontation seit 1990 grundlegend veränderte politische Weltordnung, zum anderen die Fortschritte auf dem Gebiet der Kriegsursachenforschung. Letztere werden vor allem in der stark ausgeweiteten Einführung deutlich, die nun nicht mehr nur den Untersuchungsgegenstand umreißt, sondern darüber hinaus die Problemstellung und das analytische Konzept der Studie auf der Grundlage der theoretischen und methodologischen Forschungsergebnisse aus den zurückliegenden zwei Jahrzehnten entwickelt. Die nach Typen der Kriegsentstehung gegliederte Darstellung der Fallstudien wird beibehalten. Insgesamt werden hier 165 seit 1792 beobachtete kriegerische Konflikte untersucht; auf die 15 seit 1989 neu begonnenen Kriege sowie auf neue Forschungsergebnisse zu den Kriegen vor 1986 wird dabei im Rahmen der Typologie durch Erweiterung beziehungsweise Ergänzung der Fallstudien eingegangen. Das abschließende Kapitel „Krieg im Zeitalter der Globalisierung" wurde ebenfalls völlig neu gefasst. Im Mittelpunkt steht die seit 1990 veränderte Kriegswahrnehmung in den westlichen Industriegesellschaften: Unter dem Einfluss der Abschreckungsdoktrin bestimmte das Risiko eines unbegrenzten Atomwaffenkrieges Mitte der 80er-Jahre die politischen Debatten. Entstehung und Verlauf des Golfkrieges von 1991, des jugoslawischen Bürgerkrieges und des Staatszerfalls ab 1992 sowie der ethnisch motivierten Bürgerkriege in Zentralafrika seit Mitte der 90er-Jahre und der seit 2001 andauernde „Krieg gegen den Terrorismus" haben hingegen zu einer völlig veränderten Einschätzung von Kriegswahrscheinlichkeit und Kriegsentstehung geführt, so Ruloff.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 4.2 | 4.1 | 4.41 Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Dieter Ruloff: Wie Kriege beginnen. München: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/20871-wie-kriege-beginnen_24337, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 24337 Rezension drucken