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Thomas Sauer

Westorientierung im deutschen Protestantismus? Vorstellungen und Tätigkeit des Kronberger Kreises

München: R. Oldenbourg Verlag 1999 (Ordnungssysteme 2); VIII, 326 S.; 98,- DM; ISBN 3-486-56342-4
Der Autor hat die Westorientierung im Titel noch mit einem Fragezeichen versehen, wird doch der Protestantismus "in der Nachkriegshistoriographie beinahe ausschließlich als ein konservativer, herrschaftsstabilisierender und vielfach antidemokratischer Faktor in der deutschen Geschichte gesehen" (2), im Resümee aber positiv beantwortet. Abgesehen von einigen Protestanten, die ihr "nationalkonservatives Ressentiment" beibehielten und ihre politische Heimat im nationalliberalen Flügel der FDP oder konservativen bzw. rechten Parteien Norddeutschlands fanden, waren die beiden "Traditionslinien des lutherischen und barthianischen Flügels im deutschen Nachkriegsprotestantismus" (290) spätestens mit der Unterstützung der Ostdenkschrift der EKD "im Westen angekommen", wenn auch auf unterschiedlichem Wege. Die Fragestellung dieser Arbeit zielt "primär auf Veränderungen in der Gesellschaft und untersucht, welchen Anteil der Protestantismus daran hatte" (15), bei bewußter Beschränkung auf einen Ausschnitt aus dem breiten Spektrum innerhalb des Protestantismus, nämlich den Kronberger Kreis, dessen politischer Bezugspunkt die CDU war. Für den von ihm untersuchten lutherisch geprägten Protestantismus hält Sauer fest, "daß es in ihm schon zu Weimarer Zeiten Kräfte gab, die die nationale Enge ihrer mehrheitlich noch national fixierten Konfession verlassen hatten und zu neuen Ufern aufgebrochen waren" (294). Aber "erst im veränderten geistigen Klima der Nachkriegszeit wurden die schlummernden Potentiale geweckt und konnten ihre Wirkung entfalten" (294). Inhaltsübersicht: I. Der Protestantismus in der Nachkriegszeit; II. Der Kronberger Kreis: 1. Die Vorgeschichte; 2. Die Gründung des Kronberger Kreises; 3. Die Denkschrift zur Wiederbewaffnung; 4. Die weitere Entwicklung des Kronberger Kreises. III. Das geistige Profil des Kronberger Kreises: Christlich-konservative Protestanten in der Bundesrepublik Deutschland: 1. Demokratie und Parteien; 2. Die Deutsche Frage, Europa und die internationalen Beziehungen; 3. Wirtschafts- und Sozialpolitik. IV. Schnittstellen zur Öffentlichkeit: 1. Die Evangelischen Akademien; 2. Der Deutsche Evangelische Kirchentag; 3. Die evangelische Publizistik; 4. Der evangelische Arbeitskreis der CDU. V. Resümee: der Kronberger Kreis vor dem Hintergrund des Selbstverständnisses der Bundesrepublik Deutschland.
Heinz-Werner Höffken (Hö)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 2.331 | 2.35 Empfohlene Zitierweise: Heinz-Werner Höffken, Rezension zu: Thomas Sauer: Westorientierung im deutschen Protestantismus? München: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/7082-westorientierung-im-deutschen-protestantismus_9472, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 9472 Rezension drucken